Hochschulorchester: Arbeitsauftakt Sommersemester 2015 in der Musikakademie Ochsenhausen

Wer die Semestereröffnung im Audimax besucht hat, konnte das Orchester der Hochschule Biberach bereits kennenlernen. Wie in jedem Semester konnten neue Mitspieler gewonnen werden, aber studienbedingt hat das Orchester  wiederum  auch Musiker verloren – Praktika, Abschlussarbeiten und der Berufseinstieg fordern regelmäßig ihren Tribut. So trägt für Dr. Klaus Weigele, den Leiter des Hochschulorchesters, die erste Probe immer auch das Gepräge einer ‚surprise party‘:  Wie entwickelt sich die Besetzung der Streicher? Ist die Gruppe der Holzbläser von einer gewissen ‚Gleichverteilung‘ gekennzeichnet, oder erzwingen Klumpeneffekte in einzelnen Instrumentengruppen ein Camouflieren nach dem Motto: aus Flöten werden ‚Flöboen‘? Und schließlich: Wie gestaltet sich die Besetzung der Blechbläser?

In diesem Semester konnte bereits das erste Semesterwochenende für eine Probenphase in der Landesakademie für die musizierende Jugend in Baden-Württemberg, Ochsenhausen, genutzt werden, die dazu diente, das musikalische Programm für dieses Semester zu umreißen. In einer intensiven Probenphase erschloss das Orchester sich den Zugang zur Epistelsonate (KV Nr. 317) von W.A. Mozart. Auf dem Semesterprogramm steht ein weiteres Werk Mozarts: Die Ouvertüre zu ‚Die Zauberflöte‘ (KV Nr. 620). Gewissermaßen Neuland betrat das Orchester mit der Erarbeitung der Ouvertüre zu Goethes Trauerspiel ‚Egmont‘ (op. 84) von Ludwig van Beethoven; zum ersten Mal seit seinem Bestehen, erarbeitet sich das Hochschulorchester ein Werk Beethovens. Während ‚Die Zauberflöte‘ Mozarts programmatisch ein Projekt der Aufklärung darstellt – in welchem freilich auch die Dialektik der Aufklärung, also das potentielle Scheitern derselben, zumindest der Möglichkeit nach enthalten ist, greift der Goethe-Bewunderer Beethoven mit dem Trauerspiel Egmont auf einen der Periode des  ‚Sturm und Drang‘ zuzuordnenden Stoff zurück, um das Spannungsverhältnis von individueller und politischer Freiheit auszuloten.

Darüber hinaus konnte ein erster Zugang zum Slawischen Tanz Nr. 11, op. 72,  von Antonin Dvořák erschlossen werden. Hinzukommen soll außerdem noch der Walzer aus Eugen Onegin, op. 24,  von Pjotr Tschaikowski.

Hat das Hochschulorchester bislang vor allem akademische Feiern umrahmt – im letzten Semester etwa das Jubiläum zum 50jährigen Bestehen der Hochschule oder die Verabschiedung des langjährigen Kanzlers, Wolfram Burster - , so wurde die Arbeitsphase auch dazu genutzt, um über neue Programmformate nachzudenken. Diskutiert wurden die Möglichkeiten einer Konzertreise zu Partnerhochschulen, die Kooperation mit anderen Hochschulorchestern oder -chören und die Möglichkeit eines ‚Werkstattkonzertes‘, in welchem die gesamte Schauspielmusik des Egmont sowie  eine  Lecture Performance des Goethe'schen Dramas kombiniert werden könnten.

Das Hochschulorchester trifft sich regemäßig mittwochs, 19.30 – 21.00, in Raum A 1.03/4 der Hochschule, A-Gebäude, Karlstraße 11.  Es versammelt Studierende, Professoren und Mitarbeiter der Hochschule sowie freie Mitglieder. Gesucht werden Streicher sowie Holz- und Blechbläser, neue Mitspieler sind herzlich willkommen.
(Text: Prof. Dr. André Bleicher)