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Interview Nico Ruß, Pitch Speaker der Start-up Night #03

Die teuren Laufschuhe sind schnell abgelaufen – muss ich sie wegwerfen?

Nein, dachte sich Nico Ruß und will mit seinem patentierten modularen Sportschuh den Markt revolutionieren.

Nico Ruß ist 24 Jahre alt und betreibt seit Anfang 2018 sein Start-up Unternehmen Infinite Running. Nach seiner Ausbildung zum Konstruktionsmechaniker und seinem Dienst bei der Bundeswehr studiert er Sport im Fernstudium parallel zu seiner Unternehmungsgründung.

Er übernimmt den Pitch bei der Start-up Night #03 in Biberach, Campus Stadt am 22.11.2018, 19:00 (zur kostenlosen Anmeldung hier)

Gerne hat er einige Fragen zu seiner Idee, seinem Produkt und seinem Start-up beantwortet.

Gründerinitiative Biberach: Wie kommt man auf die Idee einen modularen Sportschuh zu entwickeln?

Nico Ruß: Ich laufe eigentlich schon immer gern. Aber gerade durch meine Zeit bei der Bundeswehr wurde das intensiver. Dadurch reifte dann schon damals die Idee, auch weil ich mir teure Laufschuhe gekauft hatte, die dann aber sehr schnell abgelaufen waren. Unten an der Sohle hatten die ganz dünne Kunststoffnoppen und nach 100 Kilometer auf Asphalt waren die halt einfach platt. Ich habe hier mal eine Sohle mitgebracht, das sind jetzt 400 Kilometer und wenn man sich das anschaut.

Gründerinitiative Biberach: Total abgelaufen!

Nico Ruß: Die Sohle soll eigentlich zwischen 600 und 800 Kilometer halten und dann ist die auch kaputt. Je nach Körpergewicht oder Laufstil können die früher kaputtgehen und das Problem ist, dass ja auch eine Energierückführung in den Körper bezweckt wird. Wenn ich nur mit einer flachen Sohle auftrete, dann geht mir eben mehr Energie verloren als würde ich nur mit einer partialen Sohle auftreten. Ich hatte dann damals schon die Idee: Ich kaufe mir einen Schuh, wo ich meine komplette Sohle wechseln kann. Das gab es nicht! Ich habe nachgeschaut: Es gab ein paar Patente, ein paar Projekte in die Richtung und nichts, was ansatzweise angeboten wurde zum Kaufen. Jetzt zu Beginn des Jahres dachte ich mir einfach: Das kann es nicht geben, dass es das nicht gibt! Und jetzt bin gerade daran, das Ganze so umzusetzen, dass man das auf den Markt bringen kann.

Gründerinitiative Biberach: Wechselt man dann die ganze Sohle aus?

Nico Ruß: Eine ganze Sohle wird man vermutlich nie ganz wechseln können, außer mit Kleben, das ist zu unflexibel, was aber auch gar nicht schlimm ist. Man kann durch eine Segmentierung ressourceneffizienter arbeiten und nur Module austauschen. Man löst vorerst kein Kunststoffproblem, aber auf lange Sicht wirft man nicht den ganzen Schuh weg. Ich habe dann bestimmte Bereiche, die ich selbst modular wechseln kann und die sind zu 100% recyclebar, weil es ist nicht Mesh-Gewebe (luftdurchlässiges Textilnetzgewebe) und Kunststoff vermischt ist, sondern nur Kunststoff.

Gründerinitiative Biberach: Du sprichst auch davon, dass man die Schuhe für den Untergrund spezifizieren kann. Kannst du das erläutern?

Nico Ruß: Das heißt: Ich brauche im Prinzip keine fünf Paar Laufschuhe, es genügt ein Paar, wenn man das mag. Und man kann auf Asphalt laufen oder im Wald und den Schuh entsprechend anpassen. Wir bauen derzeit personalisierte Schuhe, wie z.B. Adidas, die lösen aber nicht das Problem am Fuß selber, sondern die passen sich an den kranken Fuß an und der kranke Fuß bleibt verschoben. Hier kann ich eben auch durch das modulare System einfach verschiedene Härten einsetzen, die dann gegen die Krankheit wirken können.

Gründerinitiative Biberach: Und du würdest die modularen Sportschuhe über das Internet anbieten?

Nico Ruß: Ja, das Einzige, was man noch nicht über das Internet direkt anbieten könnte, wären gerade diese verschiedenen Härten. Das braucht dann, was die führenden Sportartikel-Hersteller im Sportgeschäft haben, die Pedographie, also die Fußerfassung auf dem Laufband. Da muss jemand drüber schauen, der da geschult ist, damit man seine richtigen Härten bekommt.

Gründerinitiative Biberach: Was war bislang die größte Herausforderung bei der Unternehmensgründung?

Nico Ruß: Bei solchen Sachen, also bei Hardware ist es natürlich immer eine finanzielle Herausforderung. Bis kein marktreifes Produkt da ist, kann ich nix machen. Da haben digitale Start-ups ein bisschen was voraus: wenn jemand Programmierer ist, der die ganze Zeit an seinem Produkt was machen, der kann immer wieder was verändern. Und das ist bei mir nur in einem gewissen Maß möglich. Ich kann es groß beschreiben, aber wenn kein Geld da ist, kann ich nicht effizient daran arbeiten.

Gründerinitiative Biberach: Und wie ging das am Anfang?

Nico Ruß: Ich hatte anfangs Sportschuhe auseinandergeschnitten. Von mir, alte ausrangierte und habe mir überlegt, wie es aussehen könnte. Habe mir da so wilde Sachen zusammengebastelt. Anfangs waren wir auch nicht an einem System dran, aber das kam dann nach und nach.

Gründerinitiative Biberach: Welche Tipps hätten du für angehende Gründer?

Nico Ruß: Anfangs vielleicht – wie soll ich es beschreiben – man hat natürlich immer Angst, dass die Idee einem geklaut wird, weil man was Neues hat. Das wäre jetzt bei mir der Fall. Wenn man jetzt nur was hat, wo man was verbessert oder wo man sich selber aufbaut, ist die IHK sicher der ideale Ansprechpartner.  Aber auch im Eigenbereich, bei Sachen, die man selber erfunden hat sage ich jetzt mal kann man sich trotzdem die Scheu nehmen und zur IHK gehen. Weil die Beratung auf vertraulicher Basis stattfindet. Und man kann – wenn man nicht aufpasst – viel Geld verbrennen und da helfen die natürlich und sagen: Wir haben da jemand oder lass dich mal von dem beraten.

Gründerinitiative Biberach: Für Studenten an der Hochschule wäre das die Gründerinitiative, die kostenlose Beratung und Unterstützung für angehende Gründer bietet. Das wäre auch die Überleitung zur nächsten und letzten Frage: Wo siehst du dich und dein Unternehmen in einem, drei, fünf Jahren.

Nico Ruß: Ja, in einem Jahr würde ich mich ziemlich im Stress sehen, noch mit Planung von einer Kickstarter-Kampagne und dem Aufbau der Produktion, aber ich hoffe dann das ich es weiter ausbauen kann und das große Ziel ist eigentlich das Produkt im Einzelhandel zu platzieren.

Gründerinitiative Biberach: und wie machen du das mit deinem Studium?

Nico Ruß: Es ist zum einen ein Fernstudium, ich habe das Angebot von der Bundeswehr und daher kann ich mir das Lernen gut einteilen. Und wäre im Anfang Sommer nächsten Jahres her. Ich bin dann staatlich anerkannter Personal Trainer und hoffe, dass ich es bis dahin auch gut abgelegt habe.

Gründerinitiative Biberach: Also braucht man da keine Bedenken zu haben, oder?

Nico Ruß: Naja, wenn ich durchfalle, dann wird es nochmal ganz schön stressig, aber das ist nicht das Ziel. Darum bin ich auch in jeder freien Minute recht fleißig und mache da noch was.

Gründerinitiative Biberach: Vielen Dank für das Gespräch!

Nico Ruß spricht auf der Start-up Night #03 in Biberach, Campus Stadt am 22.11.2018, 19:00 (zur kostenlosen Anmeldung hier: www.start-up-night-biberach.eventbrite.de)

Foto: Nico Ruß

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