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Aufruf beim Absolventenball 2018: Den Feinden der offenen Gesellschaft mit Worten und Taten entgegentreten

Einblicke in „Die offene Gesellschaft und ihre Feinde", ein Werk des österreichisch-britischen Philosophen Karl Raimund Popper (1902 -1994) und ein Manifest gegen Totalitarismus, gab Professor André Bleicher seinen Gästen am Absolventenball 2018 der Hochschule Biberach (HBC). Angesichts der Vielzahl von Menschen weltweit, die glaubten, es gäbe radikal einfache Lösungen für gesellschaftliche Probleme, forderte der Rektor der HBC Bildungseinrichtungen auf, diesen Vereinfachungen entgegenzutreten und belastbare Antworten zu finden. Diesen Aufruf adressierte Bleicher nicht nur an die Institutionen selbst, sondern u. a. an die Absolventinnen und Absolventen, die Semester für Semester die Hochschulen verlassen, um in der Gesellschaft Verantwortung zu übernehmen.
 
Popper habe, so Bleicher, mit seinem Werk aus dem Jahre 1945 – „also in einem Jahr, in dem der vermutlich schlimmste Auswuchs einer Ideologie, den man sich vorstellen kann, ein befreiendes Ende fand" (Bleicher) – eine scheinbar einfache Formel für ein komplexes Unterfangen gefunden: „Ich kann mich irren, vielleicht hast du recht!", zitierte Bleicher, der diese Aussage als Schlüssel zu einer offenen Gesellschaft beschrieb – unter den drei Voraussetzungen Ehrlichkeit, interkulturelle Neugierde und Vorstellungskraft.
 
Die Bachelor-Absolventinnen und Absolventen des Studienjahres 2017/2018, die an diesem Abend mit einem großen Ball in der Stadthalle Biberach verabschiedet wurden, rief er auf, als kritisch hinterfragende Menschen aufzutreten und dabei „intellektuell neugierig auf alles zu sein, was Ihnen begegnet, im Beruf, im Privatleben oder auch im weiteren Studium". So aufgestellt könnten die ehemaligen Studierenden der Hochschule Biberach der Gesellschaft zurückgeben, was diese durch Bildung in sie investiert habe: „Sie können zu einer offenen Gesellschaft beitragen und den Feinden der offenen Gesellschaft in Worten und Taten entgegentreten", so Professor André Bleicher.
 
In Vertretung von Oberbürgermeister Norbert Zeidler beglückwünschte Kulturdezernent Dr. Jörg Riedlbauer die AbsolventInnen und drückte seine Freude dar-über aus, dass sie sich für Biberach als Studienort entschieden haben. Er verwies dabei auf die jüngste Abhandlung zum Thema „Schwarmstädte", die das Deutsche Studentenwerk als Analyse des Forschungsinstituts EMPIRICA veröffentlicht hat, wonach „solch eine Entscheidung keineswegs selbstverständlich sei", so Riedlbauer.  Die Generation wähle sehr sorgfältig aus, wo sie für Studium oder Ausbildung hinzieht. Die HBC erlebt der Kulturdezernent als „Kristallisationspunkt" im Stadtgeschehen Biberachs, dabei hob er auf die starke Vernetzung der Hochschule ab, u. a. mit den Kulturschaffenden in der Stadt. Und auch im Sinne des Philosophen Karl Raimund Popper, so Dr. Riedlbauer, gebe es eine Verbindung zwischen Wissenschaft und Kunst –„nämlich dass auch diese sich irren können und dürfen". 
 
Die Grußworte, die bei der anschließenden Verabschiedung der Absolventen aus den verschiedenen Studiengängen gesprochen wurden, zeigten, dass sich die Biberacher Studierenden ihrer Verantwortung stellen: Aus jedem Studiengang sprach jeweils ein Absolvent oder eine Absolventin und skizzierte das zurückliegende Studium, die gemeinsame Zeit, die Höhen und Tiefen und die Chance, die ein Studium an der Hochschule Biberach ermöglicht. Bei allen Rednern aber war vor allem die mit Motivation verbundene Neugierde spürbar, die sie durch ihr Studium hinweg begleitet hat und den Blick über den eigenen Tellerrand schweifen ließ. Andreas Jewgrafow (Absolvent des Studienganges BWL (Bau und Immobilien)) brachte es auf den Punkt: „Die Hochschule bietet so viel, wenn man es denn will!"
 

Foto: Die Bachelor-Absolventinnen und Absolventen des Studienjahres 2017/2018 wurden mit einem großen Ball in der Biberacher Stadthalle verabschiedet. Dabei sprachen AbsolventInnen Grußworte, u. a. Andreas Jewgrafow aus dem Studiengang BWL (Bau und Immobilien)/Foto: Harry Tremp

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