HBC.Artikel_HBC_Unglaublich wichtig_50 Jahre Hochschulen für Angewandte Wissenschaften

Hochschulrektoren formulieren gemeinsam „Lübecker Manifest" und heben Relevanz der HAWs hervor

Vor 50 Jahren wurden die ersten Fachhochschulen in Deutschland gegründet. Seitdem haben sie eine beachtliche Erfolgsgeschichte durchlaufen und sich zu modernen Hochschulen für Angewandte Wissenschaften (HAW) entwickelt: Über 40 Prozent aller Studierenden bundesweit sind an einer HAW eingeschrieben, im vergangenen Jahr waren dies erstmals über eine Million Menschen – Tendenz steigend.

50 Jahre HAWs, das feiern die ehemaligen Fachhochschulen gemeinsam und flankiert durch eine Kampagne unter dem Slogan „unglaublich wichtig". Mit dieser bundesweiten Kampagne will die Hochschulrektorenkonferenz und insbesondere die Mitgliedergruppe der HAWs ihren Hochschultypus vorstellen und dessen Bedeutung in der Bildungs- und Forschungslandschaft hervorheben, erläutert Professor Dr. André Bleicher, Rektor der Hochschule Biberach (HBC). So gelten Hochschulen dank ihrer Forschungsleistungen vor allem in der Region, in der sie verankert sind, als Innovationsmotoren und sind „unglaublich wichtig" für kleine und mittlere Unternehmen, zitiert Bleicher aus einem Positionspapier, das die Hochschulen gemeinsam formuliert haben. Durch ihre Praxisnähe unterstützen sie darüber hinaus den Transfer neuer Erkenntnisse sowie Technologien in die Anwendung und leisten einen wichtigen Beitrag zur Lösung der großen gesellschaftlichen Herausforderungen, nennt Bleicher ein weiteres Merkmal. Gerade die Bedeutungszunahme transformativer Aufgabenstellungen lasse den Schluss zu, dass der Hochschultypus HAW noch an Gewicht gewinnen werde. „Das Beste kommt erst noch", darin seien sich die Rektoren einig und „blicken verhalten optimistisch in die Zukunft", berichtet André Bleicher.

Zum Auftakt des Jubiläumsjahres der Hochschulen für Angewandte Wissenschaften in Deutschland trafen sich VertreterInnen aller Hochschulen Mitte Juni in Lübeck; die Technische Hochschule Lübeck war eine der ersten Fachhochschulen des Landes, die 1969 gegründet wurden. Zum Auftakt der Feierlichkeiten tagte dort der „Bad Wiesseer Kreis", die traditionelle Tagung der Hochschulleitungen aller HAWs innerhalb der Hochschulrektorenkonferenz. Die Tagung nutzte auch die Hochschule Biberach für wichtige Netzwerkarbeit.

Unter der Schirmherrschaft von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und unter Beteiligung der Bundesministerin für Bildung und Forschung Anja Karliczek würdigten rund 360 Gäste die Gattung Fachhochschule, die heute mehrheitlich unter der Bezeichnung Hochschule für Angewandte Wissenschaften firmiert. Um die Relevanz dieses Hochschultypus´ darzustellen, verfassten die TeilnehmerInnen das „Lübecker Manifest". „Mit diesem Papier positionieren sich die HAWs gemeinsam innerhalb der Hochschullandschaft und grenzen sich gegenüber anderen Hochschulformen ab", so André Bleicher. Damit bilde das „Lübecker Manifest" eine wichtige Basis für weitere Verhandlungen, etwa gegenüber der Politik auf Bundes- wie Landesebene.  
Die Kernforderungen der mehrseitigen Erklärung lauten:

  • Die Hochschulen für Angewandte Wissenschaften sind die Antwort auf eine zunehmend heterogene Studierendenschaft. Sie berücksichtigen die individuellen Lernbedürfnisse und geben Orientierung in einer komplexen Welt. Die Lehrenden verstehen sich als Lernbegleiter. Im „Zukunftsvertrag Studium und Lehre stärken" müssen die Hochschulen für Angewandte Wissenschaftendeshalb besonders berücksichtigt werden.
  • Die Hochschulen für Angewandte Wissenschaften fordern die Einführung von angemessen ausgestatteten Strukturen zur Förderung der angewandten Forschung. Die Deutsche Transfergemeinschaft (DTG) kann hierfür eine Lösung sein. Für die Übernahme von Aufgaben der Forschung und des Transfers zum Nutzen der Gesellschaft und der Wirtschaft, müssen die Gesetzgeber die notwendigen Voraussetzungen, wie z. B. mehr Spielraum bei der Reduzierung des Lehrdeputates und die Schaffung eines wissenschaftlichen Mittelbaus, herstellen.
  • Für die Stärkung des eigenen Profils und der Ausbildung des eigenen professoralen Nachwuchses fordern die Hochschulen für Angewandte Wissenschaften das eigenständige Promotionsrecht für forschungsstarke Fachrichtungen, unter Etablierung eines entsprechenden Qualitätssicherungssystems.
  • Damit unser Hochschultyp sein Potenzial zum Nutzen von Gesellschaft und Wirtschaft voll entfalten kann, muss die Professur an einer Hochschule für Angewandte Wissenschaften mit strukturierten Karrierewegen, mit Personalentwicklung auch im Professorenamt und mit einem wissenschaftlich qualifizierten bzw. sich qualifizierenden Mittelbau unterstützt werden.
  • Soziale Innovationen gelingen, wenn die gesellschaftlichen Wirkungen von Forschungs-und Transferprojekten bereits in der Projektentwicklung konsequent in den Blick genommen werden. Dieses Vorgehen muss förderpolitisch unterlegt sein.
  • Die Hochschulen für Angewandte Wissenschaften sind „Hidden Champions" der Internationalisierung. Dafür benötigen sie eine verbesserte Ressourcenausstattung, auch für grenzüberschreitende angewandte Forschungsförderung durch Bund, Länder und Europäische Union.
Weitere Informationen:
www.unglaublich-wichtig.de
www.badwiesseerkreis.de
 
 
Hochschule Biberach
Die Hochschule Biberach (HBC) wurde 1964 als Staatliche Ingenieurschule gegründet und 1972 zur Fachhochschule angehoben. Ihr 50-jähriges Bestehen feierte die HBC 2014.

Foto: Anlässlich des 50. Bestehen der Fachhochschulen in Deutschland tagten Vertreter der heutigen Hochschulen für Angewandte Wissenschaften in Lübeck. Gemeinsam haben sie das "Lübecker Manifest" formuliert, um die Relevanz der HAWs hervorzuheben / Foto: Olaf_Malzahn_50 Jahre HAW

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