HBC.Artikel_Neujahrsempfang 2018 der Fakultät Biotechnologie

Big Data: Neue Chancen für Medizin und Gesundheit?

Was in der Biotechnologie Zellen sind, sind in der Informatik Daten. Welche Chancen diese Bytes für die Medizin bieten, das erörterte Rainer Kasan, Gesellschafter der IT-Unternehmen Digithurst, Telepaxx und TopIT, beim 10. Neujahrsempfang der Fakultät Biotechnologie der Hochschule Biberach, zu dem Dekan Professor Jürgen Hannemann in der vergangenen Woche eingeladen hatte. Der Referent zeigte die Entwicklungen und Chancen von Big Data am Beispiel der Medizin und dem Fachgebiet der Radiologie auf.

Big Data bedeutet, große Datenmengen zu speichern, zu bearbeiten und nach verwendbaren Mustern zu durchsuchen. Im Falle von Rainer Kasan und seinem Themenschwerpunkt geht es um medizinische Daten zur Krankheitserkennung, insbesondere im Bereich der Radiologie. Dafür werden die Daten durch die „vier Vs" gekennzeichnet: Volumen (Menge), Velocity (Geschwindigkeit),  Variety (Vielfalt) und Veracity (Vertrauenswürdigkeit). Durch die fortschreitende Digitalisierung, so der Experte, verdoppeln sich die Datenmengen etwa alle zwei Jahre. Die einlaufenden Informationen müssten immer schneller analysiert werden. Daten kommen im Medizinbereich in sehr vielfältiger Form vor wie z.B. als medizinische Bilder, Texte oder Videos. Mehr Daten bedeuten jedoch nicht gleichzeitig mehr Wissen, so Kasan. Daher sei der Weg aus Big Data zunächst Small Data und anschließend Smart Data zu entwickeln. Gleichzeitig würden Analysten aus Datenschutzgründen ausschließlich auf anonyme Informationen zurückgreifen.
Der Big-Data-Experte erläuterte den Gästen des Neujahrsempfang, dass durch die immense Zunahme an unstrukturierten Daten eine automatische Erkennung zum Auffinden von Mustern notwendig sei und wie Deep Learning mit zwei Methoden eingesetzt werden können: Supervised Learning bedeute, dass vorliegende Daten bereits eine Markierung mit den richtigen Antworten erhalte; beim Unsupervised Learning werden versteckte Strukturen in nicht markierten Daten gesucht und nach Gemeinsamkeiten (Clustering) gruppiert. Laut Kasan würden im Klinikbereich derzeit kleine autonome Trainingssysteme aufgesetzt, die lernen, bestimmte diagnostische Fragestellungen zu beantworten. Dieser Prozess müsse zukünftig als Medizinprodukt zertifiziert werden. Dem Radiologen der Zukunft zum Beispiel werde laut Kasan die Rolle eines „Information Brokers" zukommen, ohne zeitraubende Routineaufgaben, aber dafür mit höherer Qualitätssicherung.

Bis es soweit ist, dass Big Data und Künstliche Intelligenz seltene Krankheiten aufspüren, müssten jedoch noch einige Hürden gelöst werden, so der Experte. Doch schon heute würden sie maßgeblich zur personalisierten und qualitativ besseren Medizin beitragen und neue Chancen für viele Bereiche unserer Gesellschaft bieten: beim Aufspüren von Wählerverhalten, beim Verstehen von Konsumverhalten, beim autonomen Fahren – und selbstverständlich in der Medizin. Eine zunehmende Rolle spiele Big Data auch in der Biotechnologie, das machte Dekan Professor Jürgen Hannemann zu Beginn der Veranstaltung deutlich. So seien immer mehr Herstellungsprozesse ebenso wie erste Entwicklungstätigkeiten durch den Einsatz von Big Data und Künstlicher Intelligenz geprägt. Vor diesem Hintergrund, erläuterte Hannemann, werde an der Fakultät Biotechnologie eine Professur für „Modellierung und Simulaton" besetzt. Diese Themen seien sowohl in der Industriellen als auch der Pharmazeutischen Biotechnologie von hoher und wachsender Bedeutung.

Daneben zeigte Dekan Hannemann den rund 80 Gästen die jüngsten Erfolge der Fakultät etwa beim Einwerben von Fördermitteln für die Forschung auf, die - wie er erläuterte - sicherlich ihren Höhepunkt im geplanten Innovations- und Technologie Transferzentrum Plus fänden, das bis 2020 am Standort Aspach entstehen wird. Themenschwerpunkt des ITZ Plus werden die Schwerpunkte Biotechnologie und Energie in Lehre und Forschung der Hochschule Biberach sein.

Foto: Rainer Kasan, IT-Experte, sprach beim Neujahrsempfang der Fakultät Biotechnologie der Hochschule Biberach über die Chancen von Big Data/Foto: HBC

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