HBC.Artikel_Architektur_Neuberufung Professor Brune

Den offenen Blick der Studierenden schulen – Persönlichkeiten stärken

Für das Lehrgebiet „Planen, Bauen und Entwerfen" im Studiengang Architektur hat die Hochschule Biberach im Sommersemester 2017 den Münchner Architekten und Stadtplaner BDA Dipl.-Ing. Wolfgang Brune (* 1963) berufen. Brune war bereits Lehrbeauftragter an der HBC, kennt die Hochschule und schätzt sie als „familiäre Schule mit großartigen Möglichkeiten".
Die Spielräume, die die Institution, aber auch das Berufsfeld der Architektur bieten, will er nutzen – und sie den Studierenden eröffnen: „Der offene Blick auf handwerkliche, architektonische und künstlerische Positionen erweitert unsere Wahrnehmung", sagt er. Nur im Austausch zwischen Architekt und allen weiteren am Bauen beteiligten Planungs- und Ausführungspartnern, sowie den interessierten Menschen im Umfeld, sei eine bedeutsame, entwurfliche Arbeit möglich – eingebettet in „die verschiedenen sozialen, politischen und strukturellen Bedingungen, sowie der Analyse jeweiliger Positionen".
Damit dies gelingt, möchte Wolfgang Brune den Studierenden der Hochschule Biberach die Räume des Dialogs aufzeigen. „Denken, Studieren, Nachdenken, Sprechen, Entwickeln, Erkennen" seien vielleicht die wichtigsten Voraussetzungen, die junge Architektinnen und Architekten erlernen müssen. Sprache sei dafür der Schlüssel; Lesen deshalb eine zentrale Übung, die Professor Wolfgang Brune seinen Studierenden vermittelt. Bewusst zu lesen, verändere die Wahrnehmung, sagt Brune, gerade bei einer Generation, die in der Dualität der Medien aufwachse. Texte – ob aus der Kunst- und Architekturtheorie, ob Sekundarliteratur, Tagungsbeiträge oder zeitgenössische Publikationen – trägt Brune vor und lässt vortragen. Die Studierenden, berichtet er begeistert, begegnen diesem Vermittlungsstil „hochgradig offen". So sei es möglich, die „Multiversitas von Positionen nebeneinander zu stellen" und zu erleben, welche Orte und Räume es für verschiedene soziale Erlebnisse gibt – oder geben könnte, sagt Wolfgang Brune, der selbst außer Architektur Seminare und Vorlesungen in Philosophie, Germanistik und Geschichte in Berlin und München besucht hat.
Nach vielfältigen Erfahrungen, die Brune als freier Architekt und im Lehrbetrieb von Architektur-Fakultäten verschiedener Hochschulen (z. B. an der Technischen Universität München) gesammelt hat, stellt sich ihm die Frage, „wie Studentinnen und Studenten zu eigenverantwortlichen Positionen jenseits eines Geschmackurteils motiviert werden können". Für diese Sozialisation hält Brune die Weise, wie Bauwerke als Abdruck von Leben gelesen, gedacht und verstanden werden können, als eine grundlegend notwendige Fähigkeit.  
Das Wissen um Gestalt, Rhythmus, Proportion, vor allem aber das Wesen von Erscheinungsformen und Stilen sowie deren Einordnung in die Kunst-, Kultur- und Sozialgeschichte würden das eigentliche Verständnis bestimmen, so Professor Brune.
Diese Sozialisation im Bereich des Entwerfens ist für den Architekten untrennbar mit dem Planer als Persönlichkeit verbunden. Um dies ausbilden zu können, bedürfe es einer profunden Grundlagenausbildung, aber auch einer kritischen Reflexion und Interpretation des baukünstlerischen Umfeldes. „Eine solche freie und eigenständige Persönlichkeit kann sich nur im Schutzraum der Hochschule entwickeln", ist sich Brune sicher.
Seinen Studierenden will er hierfür einen Rahmen bieten – und sie gleichzeitig darin üben, mit den Menschen als Nutzer der Architektur in den Dialog zu treten. Ganz konkret hat er in diesem Semester eine Untersuchung der Biberacher Hochschul-Standorte Stadt und Aspach angeboten: Welche Räume entstehen dadurch nach innen (für die Hochschule) und nach außen (für Bürgerinnen und Bürger der Region). Die Verflechtung der Hochschule Biberach mit dem Ort, an dem sie verankert ist, empfindet Wolfgang Brune als wichtig und gleichermaßen selbstverständlich. Die HBC sollte erlebbare machen, was sie tut – und zeigen, was hinter den Mauern und Fenstern entsteht – durch Ausstellungen oder andere Veranstaltungen. Ganz im Sinne einer Bürgerhochschule, die die Hochschulleitung für die Zukunft ausgerufen hat.
 

Foto: Prof. Wolfgang Brune, Lehrgebiet "Planen, Bauen und Entwerfen" im Studiengang Architektur/Foto: HBC/Stefan Sättele

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