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Aus Sicht der Transfer-Hochschule Biberach: Koalitionsvereinbarung enthält Chancen, aber auch Risiken

An Position vier widmet sich der heute veröffentlichte Entwurf der Koalitionsvereinbarung von CDU/CSU und SPD der „Offensive für Bildung, Forschung und Digitalisierung" und damit mit den Themen Hochschulen und Wissenschaft. Für die Hochschule Biberach ließen sich darin durchaus erfreuliche Tendenzen ablesen, die sie auf ihrem skizzierten Weg als Transfer-Hochschule bestätigen – thematisch wie programmatisch, so Professor André Bleicher, Rektor der Hochschule Biberach, der in dem Entwurf „vielfältige Chancen, aber auch gravierende Risiken" sieht.

Zu begrüßen sei, dass der Bund in die Finanzierung der Hochschulen eintreten und ihre Leistungsfähigkeit fördern wolle. Diese Grundsatzentscheidung auf der Grundlage des neu geschaffenen Artikel 19b Grundgesetz durchziehe die Koalitionsvereinbarung und ermögliche – so sie durchgehalten werde – der Hochschule Biberach tendenziell Programme, die aus einer Bundesfinanzierung gespeist werden, beizubehalten und gegebenenfalls sogar auszubauen. Allerdings, so Bleicher: Das konkrete Prozedere hinsichtlich der Vergabe der Mittel gehe aus dem Entwurf nicht hervor. Ein wichtiges Detail, das am Ende darüber entscheidet, wie viel Handlungsspielraum die Hochschulen tatsächlich erhalten. „Befristete Projekte bedeuten befristete Stellen und damit keine Planungssicherheit", so der Hochschulleiter.

Angekündigt haben die Parteien zudem, den Qualitätspakt Lehre zu verstetigen und u. a. innovative Hochschullehre, Unterstützungsleistungen während der Studieneingangsphase, den hochschulübergreifenden Austausch und die Übertragung erfolgreicher Konzepte zu fördern. Aus dem Qualitätspakt Lehre wurden in der Vergangenheit – wettbewerblich – rund 1,5 Millionen Euro für die Hochschule Biberach eingeworben. Das Problem sei auch hier, dass Mittel, die zur Qualitätssicherung dringend benötigt werden, nicht planbar zur Verfügung gestellt werden. „Wir stellen uns gerne einem Qualitätswettbewerb", so Bleicher, „aber die Grundversorgung muss gewährleistet sein, so wie es jetzt läuft, ähnelt das Prozedere einer Drehtür: Wir qualifizieren unser Personal und verlieren es, sobald die Bundesprogramme auslaufen, um dann, nach dem Sieg in der nächsten Ausschreibung, wieder neues Personal zu qualifizieren. Das Ganze ist – aufgrund der fehlenden Verstetigung – eine Teufelsmühle."

Stärken will die GroKo ganz explizit die Fachhochschulen, insbesondere ihre Transferfähigkeit und regionale Innovationsfunktion. Dies bestätige die HBC auf ihrem Weg zur Transfer-Hochschule und zeige, dass ihre wichtigsten Vorhaben für die nahe Zukunft, das Innovations- und Technologietransferzentrum Plus sowie der Hochschulverbund InnoSÜD in Zusammenarbeit mit den Hochschulen Neu-Ulm und Ulm sowie der Universität Ulm ganz auf der Linie der Bundespolitik liege. Dafür stehe auch, dass der Entwurf für die Koalitionsvereinbarung den Dialog von Wissenschaft, Wirtschaft, Politik und Gesellschaft intensivieren möchte, ein Prozess für den gerade die Projekte ITZ Plus und InnoSÜD stehen, so Professor André Bleicher.

Auch thematisch findet sich die Hochschule Biberach in dem Papier wieder: U. a. wollen die Parteien als ressortübergreifende Forschungs- und Innovationsstrategie die Themenbereiche Klima und Energie fokussieren, ebenso wie den Baustein „Von der Biologie zur Innovation", in dem Prinzipien der Natur genutzt werden sollen, um zum Beispiel neue Werkstoffe zu entwickeln. Die Schwerpunkte in Lehre und Forschung der Hochschule Biberach – insbesondere die Bereiche Energie und Biotechnologie – seien hierzu ideal anschlussfähig, so Bleicher, der die Vernetzung beider Themen als Entwicklungsstrategie der Hochschule Biberach vorantreibt: Bioökonomie als weiterführendes Aktivitätsfeld und damit die Biologisierung industrieller Prozesse zur Rückgewinnung von Rohstoffen.

„Die Hochschule Biberach beweist mit ihrer Zukunftsplanungen, dass sie die aktuellen Herausforderungen erkannt hat und darauf Antworten entwickelt, die die Institution und die Region voranbringen", so Professor Bleicher. Der im Entwurf vorliegende Koalitionsvertrag biete dafür eine Basis. Eine Erhöhung des Anteils der Forschung und Entwicklung auf 3,5 Prozent des BIP setzt den richtigen Akzent, auch wenn der Aufwuchs noch stärker hätte ausgeprägt sein können, gibt er zu bedenken.  „Es muss nun allerdings Sorge getragen werden, dass die HAWen an diesem Aufwuchs auch teilhaben. Die Exzellenzinitiative, die in der Koalitionsvereinbarung positiv bewertet wird, treibe einen Keil in die Hochschullandschaft und reduziere die wettbewerblichen Chancen der angewandten wissenschaftlichen Hochschulen". Ziel müsse daher sein, so Bleicher, den Transfergedanken auf Bundesebene institutionell umzusetzen und, nach dem Muster der Deutschen Forschungsgesellschaft, eine Transfergesellschaft ins Leben zu rufen.

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