HBC.Artikel_Studienmodell international_Studium Gebäudeklimatik und Energiesysteme

Jordanien, Neuseeland, Chile, Schweiz – Studieren im Studienmodell international

Sie waren in Jordanien, Chile, Neuseeland und der Schweiz – und sie sind alle Studierende des Studienganges Energiesysteme an der Hochschule Biberach. Ulrike Rietzler, Johannes Kolb und Stephan Guhs gehören alle einem Studienmodell mit internationaler Ausrichtung an. Das bedeutet konkret: Zwei Semester ihres Studiums an der Biberacher Hochschule absolvieren sie im Ausland. Ulrike war in der Schweiz, Johannes in Jordanien und Chile, Stephan in Neuseeland und Chile. Ist die Schweiz überhaupt richtiges Ausland? Diese Frage wurde Ulrike Rietzler schon öfter gestellt. Und die 22-Jährige antwortet  stets mit der gleichen Entschiedenheit: „Natürlich, denn die Schweizer sehen und behandeln einen Deutschen als Ausländer". Sie seien freundlich und bemüht, Hochdeutsch zu sprechen, beschreibt die Studentin ihr Gastvolk. Doch sprechen sie einen Dialekt, „den man nicht lernen kann", sie sind stark verwurzelt in ihren Traditionen und stolz auf ihr Land. „Die traditionellen Werte zählen", sagt Ulrike Rietzler im Rückblick auf das deutschsprachige Nachbarland.
Weiter weg waren Johannes Kolb (23) und Stephan Guhs (28): Beide waren sie für sechs Monate in Chile und jeweils waren sie in Jordanien und Neuseeland. Johannes Kolb hatte schon zu Beginn seines Studiums geplant, ins Ausland zu gehen. Da kamen die Möglichkeiten, die das Studienmodell international bietet, gerade recht: Über Stipendien gefördert gehen die Studierenden in diesem Modell für ein Jahr ins Ausland. Der Aufenthalt setzt sich aus einem Praxis- und einem Studiensemester zusammen. In der Regel gehen die Studierenden dorthin, wo die Studiengänge Hochschulpartnerschaften pflegen – etwa in Jordanien, Finnland, Schweden, Österreich, in der Schweiz und in der Türkei sowie in den Niederlanden und in den USA.

In der arabischen Kultur hat sich Johannes Kolb sehr wohl gefühlt. Die Menschen sind offen, erzählt er, „familienorientiert und traditionell". Eigenschaften, die Johannes als „absolut positiv" erlebt hat. „Die Menschen leben einfach, teilweise in Armut, haben wenig Geld und sind dennoch fröhlich und gastfreundlich", erzählt er von seiner Zeit in Amman. Als Gaststudent hat er dort an der deutsch-jordanischen Universität Energy Engineering studiert, konnte aber auch bei anderen Disziplinen reinhören. Ob im Studium oder auf Reisen – mit den Menschen in Jordanien hat der 23-jährige Student, der ursprünglich aus Hechingen stammt, Erfahrungen gesammelt, die man in Deutschland nicht machen würde. Zum Beispiel, als der König von Jordanien an die Universität kam, um den neuen Campus zu besichtigen. Abdullah II. bin al-Hussein wurde von seinem Gefolge begleitet. „Das war ungewöhnlich für uns", erzählt Johannes. Unvergesslich war auch die Tour in die Wüste, bei der sich der deutsche Student und seine Begleiter verlaufen haben. Glücklicherweise trafen sie auf einen Beduinen, der mit seinem Jeep im Sand stecken geblieben war. Die deutschen Gaststudenten halfen buddeln und schieben – und kamen im Gegenzug sicher zurück in die Stadt.
Geschichten kann auch Stephan Guhs erzählen. Mit dem Studienmodell international der Hochschule Biberach ging er für ein Studiensemester nach Neuseeland und für ein Praxissemester nach Chile. In den Ausläufen der Anden übernachtete er bei Vermessungen in einer sogenannten Ruka. Dort saß man direkt auf dem Lehmboden, mittendrin zwischen Hühnern und Hunden. Am Ende dieser intensiven Zeit tauschte der chilenische Vermessungstechniker seinen Wollpulli gegen das praktische Zelt des Deutschen. Ein unvergesslicher Tausch für den jungen Ingenieur, der den Pulli in Ehren hält und trägt. Fachlich hat Stephan Guhs „sehr, sehr viel gelernt". In einem Bauingenieurbüro half er bei den statischen Berechnungen von Kleinwasserkraftwerken. Konstruktion, Planung und Ausführung dieser Anlagen waren ebenso Aufgabe wie die Vermessung oder das Erstellen hydrologischer Gutachten.
Auch Johannes Kolb war für das Praxissemester in Chile. Sein Thema war der Wind. Für ein deutsches Unternehmen baute er im Gelände Windmessstationen auf, anschließend bewerteten Kolb und seine Kollegen die Standorte. Für dieses Unternehmen, wpd onshore mit Sitz in Bremen, war er der erste deutsche Student, der nach Chile geschickt wurde. Mit dieser internationalen Erfahrung und seinem Bachelor of Engineering, den er im nächsten Jahr abschließen wird, ist Johannes Kolb so wie seine internationalen Mitstudenten prädestiniert für Projekte im Ausland. Beruflich können sich das durchaus vorstellen: Johannes Kolb im Nahen Osten, Stephan Guhs in vielen Ländern der Welt und „möglichst selbstbestimmt". Für Ulrike Rietzler war es ein Abenteuer, die Lust danach ist erst einmal erfüllt. Sie ist froh, mit ihrem Pferd wieder in den gewohnten Gefilden ausreiten zu können. Die Erfahrungen, die sie an der ETH Luzern oder im Ingenieurbüro gemacht hat, aber will auch sie nicht missen. Und so raten alle drei jüngeren Studierenden, es ihnen nach zu machen. „Tu es!" bringt Stephan Guhs die Botschaft auf den Punkt.
 
Studienmodell International
Wer sich für das Studienmodell international entscheidet, investiert ein Semester mehr Zeit in sein Studium als bei einem klassischen Ingenieurstudium. Wer an diesem Modell teilnimmt, verbringt das 5. und 6. Semester und damit insgesamt rund 10 Monate im Ausland. Finanziert wird das Studienmodell international aus Mitteln des Deutschen Akademischen Ausland Dienstes (DAAD) sowie dem Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF).  Ansprechpartner für das Studienmodell international in den Bereichen Gebäudeklimatik und Energiesysteme ist der Auslandbeauftragte, Prof. Dr.-Ing. Alexander Floß.
 
Studienmodell international Gebäudeklimatik
Studienmodell international Energiesysteme

Foto: Ulrike Rietzler, Stephan Guhs und Johannes Kolb (vl) präsentieren sich an der Hochschule Biberach: auf einer historischen Wasserkraftturbine und mit Mitbringseln von ihren Auslandsaufenthalten in Jordanien, Neuseeland, Chile und der Schweiz/Foto: HBC/Stefan Sättele

zurück