MEM-Exkursion nach Stuttgart

Hallo, mein Name ist Isabel Salas Tonello und ich bin Chemieingenieurin. Ich habe an der Universidad Nacional de Tucumán (Argentinien) studiert und studiere derzeit den Master of Engineering Management (MEM) in Biberach, der von der UNT und der HBC gemeinsam angeboten wird. Derzeit befinde ich mich mit sechs weiteren Argentiniern im zweiten Semester. Wir alle leben in Biberach an der Riß, in Süddeutschland.

Der bereits erwähnte Master ergänzt die technische Ausbildung meiner Studienzeit und konzentriert sich speziell auf Aspekte von Ingenieurprojekten, bei denen menschliche Interaktionen und das Management von Ressourcen aller Art im Mittelpunkt stehen. Während des Masterstudiums werden sehr interessante Themen behandelt, die aus dem traditionellen ingenieurwissenschaftlichen Ansatz undenkbar sind, z.B. wie sich die Finanzierung eines Projekts auf die wirtschaftlichen Ergebnisse auswirkt, die es generieren kann, wie man den Vertragsbestand eines Projekts verwaltet, wie man ein besserer Leader ist und wie man mit einer guten Planung und Ausführung Zeit spart, sowohl beim Entwurf als auch bei der Realisierung des Projekts.

Eine der zentralen Persönlichkeiten des binationalen Masterstudienganges ist Professor Hartmut Veigele, der sich seit vielen Jahren für die Entwicklung dieses internationalen Austauschprogramms einsetzt und diesen interkulturellen Austausch erst möglich macht. Seit 2013 treffen sich argentinische und deutsche Studierende im Rahmen des Masterstudiengangs zur persönlichen Weiterbildung durch die Annäherung an andere Kulturen und die wissenschaftliche Bereicherung einer postgradualen Karriere. Dieses Programm ist einzigartig, bedeutet jedoch nicht, dass man sich allein fühlen muss. Professor Hartmut Veigele ist es ein stetiges Anliegen, das Gemeinschaftsgefühl unter den Studierenden und Absolventen über Generationen hinweg zu erhalten.

Einer der Vorteile des MEM ist, dass er die Begegnung mit großen Unternehmen durch verschiedene Veranstaltungen wie die Jobmesse ("Job.Messe") der Universität Biberach, den Besuch der größten Baumaschinenmesse ("bauma") in München und Exkursionstage zu verschiedenen Baustelle ermöglicht. Einer dieser Exkursionstage werde ich im Folgenden vorstellen.

Am 15. Mai machten wir MEM-Studierenden einen Tagesausflug nach Stuttgart (130 km von Biberach entfernt), der eine Stadtrundfahrt, typisches Essen, einen Baustellenbesuch sowie ein Treffen mit ehemaligen Absolventen beinhaltete.

Zu Beginn des Tages besuchten wir die Stadt mit einer Reiseleiterin, die uns die Geschichte und Gegenwart der Stadt sowie ihre Paläste und Parks, die sich über mehr als acht Kilometer erstrecken, näher brachte. Wir schlenderten durch den Markt und genossen vom Stuttgarter Kunstmuseum aus einen schönen Blick auf die Stadt. Wir begannen auch, mehr über die großartigen Arbeiten zu erfahren, die wir später besuchen würden: den neuen Stuttgarter Hauptbahnhof ("Stuttgart 21", natürlich beleuchtet und vollständig unterirdisch) und alle daraus resultierenden Änderungen an der Bahnstrecke. Am Ende des Spaziergangs gab es ein Mittagessen in einem Restaurant mit landestypischer Dekoration und Speisen.

Die nächste Aktivität war ein Besuch der Großbaustelle S21 von Hauptbahnhof bis nach Bad Cannstatt (im Nordosten der Stadt), die zum Großprojekt "Stuttgart-Ulm" der Deutschen Bahn gehört. Dort wird eine neue Strecke sowie dazugehörige Tunnel für Nah- und Fernverkehrszüge gebaut. Nach einer einführenden Präsentation über den Umfang des Projektes und allgemeinen Informationen dazu, welche durch den bei der Deutschen Bahn angestellten Ingenieur und MEM-Absolventen Stefan Linneweh abgehalten wurde, begann der eigentliche Besuch der Baustelle mit dem Abstieg zum Schacht, durch den die Tunnel betreten werden. Im Zuge der Besichtigung konnten wir die verschiedenen Stadien, die für den ersten Bauabschnitt der Tunnel, unter anderem Aushub, Bewehren und Betonieren, durchgeführt werden, besichtigen.

Insgesamt haben wir drei Tunnel besucht. Zwei von ihnen sind parallele Tunnel, in denen jeweils die Gleise für einen Zug untergebracht werden, die zusammen zwei Verkehrsrichtungen anbieten. Um den dritten Tunnel zu erreichen, gingen wir ebenerdig zum Tunnelportal an Neckar, an dem der Tunnel austritt, um die Eisenbahnbrücke über den Neckar zu erreichen.
Die Gelegenheit solche große Bauwerke zu besichtigen, lädt uns ein, über den Fortschritt der Technologie und der menschlichen Fähigkeiten bei der Zusammenarbeit nachzudenken: riesige Tunnel unter der Erde zu bauen und diese normal zu durchqueren, als wäre es ein Bauwerk auf Bodenhöhe, sowie die Ausstattung mit allen notwendigen technischen Anlagen, ist wirklich bemerkenswert.

Am Ende der ausführenden Besichtigung gingen wir ziemlich müde ins Restaurant Schönbuch in der Innenstadt, um das gemeinsame Abendessen mit ehemaligen MEM-Studierenden zu genießen. Das Gefühl der Zugehörigkeit zu etwas Größerem bleibt dank dieser Möglichkeiten intakt, da wir uns gegenseitig kennenlernen und Erfahrungen austauschen dürfen. Zudem zeigen die Gespräche, was uns nach dieser Phase in Zukunft erwartet. Nach dem Abendessen ging es mit dem Zug zurück nach Biberach.

Wir hatten einen schönen Tag, der dem MEM würdig war, mit interkulturellem Austausch und Kontakt zu einem großen Unternehmen. Durch diesen Tag konnten wir viele neue Erfahrungen sammeln und neue Freunde gewinnen. Unser Dank geht an die Hochschule Biberach für die Organisation sowie ebenfalls an die Deutsch Bahn für die großzügige Führung über die Baustelle.

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