Ein Roboter fährt selbstständig über die Baustelle, stoppt millimetergenau an den Eckpunkten eines Hauses und markiert sie präzise. Er misst und prüft seine Position – ein anschauliches Beispiel dafür, wie Robotik und digitale Vermessung den Bauprozess zunehmend verändern.

Im Studiengang Bauingenieurwesen der Hochschule Biberach haben Studierende bereits im ersten Semester an genau diesem Beispiel gearbeitet. Im interdisziplinären Seminar „Ingenieurgeodäsie und Programmierung“ bei Prof. Dr. Lukas Hart, Professor für Vermessung im Bauwesen, entwickelten sie eine Steuerung für einen Roboter zur automatisierten Ausführung von Absteckaufgaben.

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„Der Roboter kann die Eckpunkte eines neu zu errichtenden Hauses anfahren. So ist bei der Ausführung eindeutig definiert, wo Bauteile positioniert werden müssen“, erklärt Hart. „Die Studierenden haben sich intensiv mit Messtechnik beschäftigt, um die aktuelle Position des Roboters zu bestimmen. Diese Daten wurden in einem Soll-Ist-Abgleich verarbeitet und daraus eine Logik zur Ableitung der Fahrbefehle entwickelt.“

Für die Studierenden war das Projekt ein besonderer Einstieg ins Studium. „Ich hätte nicht gedacht, dass wir direkt im ersten Semester so ein praktisches Projekt in Gruppenarbeit umsetzen“, sagt Eva Mader, Studentin im ersten Semester Bauingenieurwesen. „Gerade im Vergleich zu theoretischen Fächern war das ein echter Ausgleich.“

Das Seminar verknüpft GIS, BIM, präzise Vermessung und Robotik zu einem durchgängigen digitalen Prozess. GIS stellt Informationen zu Grundstück, Umgebung und Infrastruktur bereit, BIM bildet das Bauwerk als digitalen Zwilling ab und ermöglicht bereits in der Planung Aussagen zu Abläufen und Kosten. Die Vermessung sorgt dafür, dass die digitalen Planungsdaten zuverlässig in die Bauausführung übertragen werden.

Student arbeitet an einem Roboter
Student arbeitet an einem Roboter

Neben dem technischen Verständnis nahmen die Studierenden auch wichtige persönliche Erfahrungen mit. „Selbst wenn der Roboter nach vielen Stunden Programmieren noch nicht fährt, darf man nicht aufgeben. Es lohnt sich dranzubleiben – besonders im Team, weil man sich gegenseitig motiviert,“ beschreibt Mader ihre Learnings.  

Das Projekt dient damit als konkretes Beispiel für die Digitalisierung im Bauwesen und zeigt zugleich, wie praxisnah und aktuell Studierende an der Hochschule Biberach ausgebildet werden. Bereits ab dem ersten Semester arbeiten sie eigenständig an realitätsnahen Aufgabenstellungen. „Sie erleben, wie Planung und Ausführung zusammenhängen, lernen aus Rückschlägen – und haben am Ende Ergebnisse, auf die sie stolz sein können“, beschreibt Hart seinen Lehransatz.

Junger Student schau in ein Vermessungsgerät
Junger Student schau in ein Vermessungsgerät

Unter anderem dieses Roboterprojekt wird bei der von Prof. Dr. Lukas Hart organisierten Konferenz „Digitales Planen und Bauen – von der Idee zum digitalen Zwilling“ am 26. Januar 2026 vorgestellt. Die Konferenz nutzt das Projekt exemplarisch, um den digitalen Wandel im Bauwesen sichtbar zu machen. Ergänzt wird das Programm durch Fachvorträge aus der Praxis sowie durch Präsentationen aus dem zweiten Semester Holzbau-Projektmanagement, darunter As-Built-Aufnahmen, die in digitale Modelle überführt wurden. Die Veranstaltung verdeutlicht, wie Theorie, Praxis und digitale Methoden an der Hochschule Biberach ineinandergreifen.