30 Ideen, 5 Prototypen im Maßstab 1:1 und eine Siegerin: Die Architekturstudentin Emilia Harder (5. Semester) konnte die Jury der Biberacher Filmfestspiele 2026 mit ihrem Entwurf „Zwischen den Welten“ überzeugen. Die Festspielleitung – Douglas Wolfsperger (Künstlerische Leitung) und Anika Butz (Leitung) sowie Dr. Ulrich Spieß, ehemaliger Direktor des Grimme-Preises – fühlten sich durch ihren Entwurf für das „Kino zu zweit“ an das frühe Lichtspiel erinnert: Das dunkle Holz, das helle Messing und die ausladende Form hatten es ihnen angetan.
Doch der Stuhl vermag mehr, denn nicht nur eine Person kann Platz nehmen und es sich bequem machen, sondern mehrere Menschen können gemeinsam darauf sitzen, miteinander ins Gespräch kommen oder einen Film schauen. Dafür ordnen sie sich sitzend auf den unterschiedlichen Ebenen an – auf den beiden Armlehnen, dem Kopfteil oder der Fläche dazwischen. Auch Snacks und Getränke finden ihren Platz, sogar Stauraum für Taschen oder anderes bietet der Entwurf der Studentin.
Die Entscheidung der Jury war einstimmig; gleichzeitig machte das Preisgericht rund um Douglas Wolfsperger deutlich, wie beeindruckt sie von der Vielfalt und Kreativität der Entwürfe waren. So stach zum Beispiel der Entwurf „Balanceakt“ hervor, der Kommunikation einfordert, um das Sitzen zu ermöglichen.
Denn der Entwurf spielt mit dem Prinzip einer Wippe, das Gefühl und Abstimmung gleichermaßen für eine ausgewogene Balance benötigt. Viele weitere Ideen waren im Rahmen der Entwurfsaufgabe für die Biberacher Filmfestspiele entstanden. Hochschulleitung und Jury dankten allen beteiligten Architekturstudierenden für die Teilnahme und den Mitarbeitenden des Modellbauzentrums für die Begleitung in der Umsetzung.
Ein weiterer Entwurf wurde prämiert: Der multifunktionale Entwurf „Five in One“ von Fee Finckh (4. Semester) bietet mehrere Möglichkeiten der Nutzung, je nachdem wie das Möbel aufgestellt wird: zum Sitzen oder Liegen, als Bar oder Stehtisch und als Arbeitsfläche. Das Objekt aus Holz mit Flächen in Natur und Schwarz wirkt wie eine Skulptur. Die vielseitigen Möglichkeiten der Nutzung können spielerisch ergründet werden.
Weil die Studentin Wert auf eine nachhaltige Produktion legt, hat sie sich an der Idee der Arts-and Crafts-Bewegung orientiert, eine kunst- und sozialreformerische Strömung aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, die in Großbritannien als Gegenreaktion auf die Industrialisierung mit Massenproduktion entstand und die Rückkehr zum traditionellen Handwerk in den Mittelpunkt rückt. Die Jury belohnte diese vielschichtige Idee mit einer Anerkennung.
Prof. Wolfgang Brune aus dem Studiengang Architektur hatte die Entwurfsaufgabe zu Semesterstart als Stegreif passend für die Biberacher Filmfestspiele formuliert. In diesem Format entwickeln die Studierenden innerhalb weniger Tage ihre Ideen. Zum Abschluss präsentieren sie ihre Überlegungen – in diesem Fall mit Modell und Text. Für die Kooperation mit den Filmfestspielen Biberach, die in diesem Jahr erstmals vereinbart werden konnte, wurden zunächst aus den insgesamt 30 Entwürfen fünf vorausgewählt und als Prototypen im Maßstab 1:1 gebaut. Zu der Ausstellungseröffnung, in dessen Rahmen alle Entwürfe gezeigt wurden und die Jury aus den Prototypen den Siegerentwurf prämierte, kamen zahlreiche Interessierte aus der Hochschule sowie aus der Stadtgesellschaft.
Die Ausstellung ist noch bis einschließlich morgen (03.11.26) in der Cafeteria zu sehen; der Siegerentwurf wurde bereits im Foyer des Audimax im Gebäude B aufgestellt und soll dauerhaft an den Campus-Standorten präsentiert werden.