„Wissen für alle!“ – Mit diesem Versprechen hält KI Einzug in Studium und Beruf: Wer eine Frage formulieren kann, erhält eine Antwort, wer mit Schreibhürden, Sprachbarrieren oder Beeinträchtigungen studiert, gewinnt neue Hilfsmittel, und wer neben Erwerbs- oder Sorgearbeit studiert, spart Zeit. „Diese Demokratisierung erreicht jedoch längst nicht alle in gleichem Maße, da Bildungsherkunft, der Zugang zu leistungsfähigen Bezahlmodellen, digitale Vorkenntnisse und institutionelle Regelungen darüber mitentscheiden, wer von ihr profitiert“, sagt Dr. Dorothea Winter, denn solche Ungleichheiten würden sich über das Studium hinaus in einer Arbeitswelt fortsetzen, in der Unternehmen Routinetätigkeiten automatisieren und damit womöglich gerade jene Einstiegstätigkeiten verändern, an denen Berufsanfänger*innen bislang Erfahrung sammeln. 

Foto: Konstantin Börner

Frau im Portrait
Frau im Portrait

Im kommenden Wintersemester kommt die Philosophin an die Hochschule Biberach (HBC) und spricht auf Einladung von Prof. Jan Grossarth-Maticek (Beauftragter für Inklusion an der HBC) zum Thema: „Demokratisiert KI das Wissen? Über Teilhabe, De-Skilling und die Frage, wer Verantwortung trägt“ (4.11., 19 Uhr, Audimax).

Dabei geht sie der philosophischen Frage nach, was Demokratisierung von Wissen bedeuten kann, wenn der Zugang zu Antworten wächst, während schleichendes De-Skilling die Fähigkeit zur eigenen Urteilsbildung zu untergraben droht. In ihrem Vortrag wird Dorothea Winter u.a. darstellen, wie die inklusiven Effekte von KI von politischen, ökonomischen und institutionellen Entscheidungen abhängen, die Hochschulen, Arbeitgeber*innen und Gesetzgeber*innen treffen müssen und wie Verantwortung, die man allein den Einzelnen zuschreibt, bestehende Marginalisierungen eher verschärft. Der Impuls richtet sich an Studierende, Lehrende und die interessierte Öffentlichkeit und lädt im Anschluss zur gemeinsamen Diskussion ein.

Dr. Dorothea Winter vertritt ab dem Wintersemester 2026/27 die Professur für Ethik der Künstlichen Intelligenz an der Universität Osnabrück. Sie forscht zu Ethik, Demokratietheorie, Kritischer Theorie, Epistemologie und Ästhetik mit Blick auf KI und digitale Transformation. Zuletzt erschienen von ihr „Intentionalität und Künstliche Intelligenz" (Karl Alber 2026) und „Künstliche Intelligenz und Demokratie. Wie Algorithmen und Kapitalismus unsere Gesellschaft spalten" (Reclam 2026). Für den Vortragsabend wird ein Büchertisch organisiert.