Beeinflusst das Deutschlandticket die Wohnentscheidung von Studierenden? Diese Fragestellung hat eine Master-Gruppe im BWL-Studiengang Bau und Immobilien der Hochschule Biberach (HBC) untersucht. Dafür haben sie zentrale Faktoren wie Wohn- und Mobilitätskosten, Pendelzeit, soziale Einbindung berücksichtigt. Befragt haben Anja Auer, Tina-Lou Renc, Matthias Geiger und Elias Kutter rund 200 Kommiliton*innen aus allen Studienbereichen der Hochschule. 

Für ihre Forschungsfrage „Welche Rolle spielt das Deutschlandticket bei der Wohnortwahl von Studierenden an der HBC“ haben sie die konkrete Studien- und Wohnsituation abgefragt, dabei zwischen denjenigen unterschieden, die nach Biberach umgezogen sind und denjenigen, die zu Hause geblieben sind, nach den Gründen gefragt, die Nutzung und Bedeutung des Deutschlandtickets herausgearbeitet und den Einfluss bewertet. Ergebnis: Über 53 Prozent wohnen vor Ort, fast 47 Prozent pendeln, 35 % der Pendler*innen nutzen die Bahn. Insgesamt, diese Zahlen kann man öffentlich einsehen, werden bundesweit 68 % der Deutschlandtickets an Studierende verkauft, weitere starke Nutzergruppen sind Schüler (41%) und Vollzeitberufstätige (21%). 

Dafür sind die vier das beste Beispiel: Sie alle pendeln, Anja Auer nutzt als einzige den eigenen PKW, denn sie wohnt in einer eigenen Wohnung im Haus ihrer Eltern nahe Biberach. „Die ÖPNV-Anbindung dorthin ist leider sehr schlecht“, begründet sie die Mobilitätswahl. Matthias Geiger, Tina-Lou Renc und Elias Kutter wohnen in Ulm, Laupheim und Ravensburg und bewältigen die Strecke mit der Bahn. 

Drei Personen halten das Deutschlandticket in die Kamera
Drei Personen halten das Deutschlandticket in die Kamera

Für alle vier ist das familiäre Umfeld, Freunde und Vereine wichtig – eine große Rolle spielt zudem die finanzielle Entlastung, da sie sich in einem Lebensabschnitt befinden, in dem sie noch kein eigenes Einkommen haben. Diese Entscheidung über Wohnen und Mobilität haben sie schon in ihrem Bachelor-Studium an der HBC so gewählt und nicht bereut. Die Mehrheit der 2300 Studierenden der HBC kommen aus einem Radius von 150 bis 200 Kilometer, das haben die Stichproben ihrer Befragung ergeben.

Für die meisten der studentischen Bahnfahrer*innen – immerhin über 30 % – geht es wie der Gruppe insbesondere um die Kostenersparnis, erläutert Anja Auer die Zahlen. Kein Wunder, denn die Wohnkosten in Biberach liegen bei etwa 450 Euro Kaltmiete für rund 20 Quadratmeter, ein Zimmer im Wohnheim des Studierendenwerkes Ulm liegt bei 371 €. Am besten fahren Studierende deshalb mit einem Zimmer in einer WG mit durchschnittlich rund 320 € pro. Oder eben, wenn sie zwischen Studien- und Wohnort pendeln. Aus der Befragung hat die Master-Gruppe vier wichtige Faktoren herausgefiltert, an Hand derer die Studierenden ihre Entscheidung treffen: Wie hoch sind die Kosten? Wie gut ist die Erreichbarkeit? Wie passt die Entscheidung zu meiner individuellen Lebenssituation inklusive der sozialen Anbindung. „Der letzte Faktor, ist der entscheidende“, macht Tina-Lou im Gespräch deutlich. 

Bedeutet: Das Deutschlandticket verändert die Kosten, nicht die Präferenz für den Wohnort. Bei dieser Entscheidung stehe das persönliche Umfeld im Vordergrund. „Deshalb sind Flexibilität und Erreichbarkeit die wichtigsten Parameter“, ergänzt Elias Kutter. Ihr Fazit in einem Satz zusammengefasst: „Das Deutschlandticket macht Pendeln günstiger – doch entscheidend für Studierende ist nicht der Preis der Fahrt, sondern der Wert des Wohnstandortes“, so Matthias Geiger.

Deutschlandticket
Deutschlandticket

Die Umfrage ist im Modul Bau und Immobilienmarkt bei Prof. Thomas Beyerle entstanden. Aus der Perspektive der Projektentwicklung hat die Gruppe ihre Ergebnisse abschließend interpretiert und empfiehlt, Wohngemeinschaften oder sogenannte Cluster-Wohnungen am Standort Biberach anzubieten, die bezahlbar und flexibel vermietet werden können, so Matthias Geiger. „Studierende, die für ihr Studium nach Biberach ziehen, suchen Wohnraum nahe dem Campus, sie wünschen sich Lern- & Projekträume für gemeinsames Arbeiten, Gemeinschaftsflächen wie Küche oder sogar eine Dachterrasse für sozialen Austausch und kurze Wege zum Einkaufen oder zu Behörden sowie zum Bahnhof“, erläutert Prof. Beyerle die Ergebnisse seiner Studierenden. „Auch hier steht also die soziale Einbindung und damit die Lebensqualität im Vordergrund“, sagt der Professor für Immobilienwirtschaft und Immobilienresearch. Die Ergebnisse böten eine fundierte Grundlage für weitere Überlegungen für studentisches Wohnen am Standort Biberach, lobt Beyerle die Arbeit der Master-Studierenden.

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