„Das Einfamilienhaus in Deutschland – ein auslaufender Objekttypus?“

Titel der Mastertesis von Christina Lohr, Studiengang BWL Bau und Immobilien

Als Anton Hofreiter dem Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ im Februar dieses Jahres ein Interview zum Thema Wohnungsbau gab, hagelte es für den damaligen Grünen-Fraktionschef und seine Partei Kritik aus allen politischen Richtungen. Am Ende sahen sich Bündnis 90/Die Grünen genötigt eine Klarstellung auf der eignen Homepage zu veröffentlichen.

„Einparteienhäuser sorgen für Zersiedelung“, sagte Hofreiter damals und meinte damit, dass der Typus Eigenheim aus den Bebauungsplänen verschwinden sollte, um gerade in Ballungsräumen der „gigantischen Wohnungsnot“ entgegenzuwirken. „Wie auch immer man persönlich zu diesen Aussagen steht, machen sie doch das enorme Spannungsverhältnis zwischen Nachhaltigkeitsanspruch, Altersvorsorge und Wunschimmobilie deutlich“, sagt Christina Lohr (23), die gerade ihr Masterstudium an der Hochschule Biberach (HBC) mit dem Schwerpunkt Bau und Immobilien abgeschlossen hat. In ihrer Masterthesis „Das Einfamilienhaus in Deutschland – ein auslaufender Objekttypus?“ befasst sie sich eben mit dieser Thematik und positioniert sich an der Schnittstelle von Folgen der Klimawandelbewältigung und individueller Lebensplanung, die – als Hofreiter im Februar über das Thema stolperte – zusätzlich gepaart war mit dem anstehenden Bundestagswahlkampf.

Genau hier setzte Christina Lohr mit der Onlinebefragung unter ihren KommilitonInnen an, die aus den Bereichen Architektur, Energie- und Bauingenieurwesen, BWL und Biotechnologie kommen. Über 300 Studierende nahmen an Umfrage teil; ein Großteil ist  zwischen 21 und 24 Jahre alt, ledig und wohnt zum Zeitpunkt der Befragung bei ihren Eltern. Klares Ergebnis der Studie: „Der Objekttypus Einfamilienhaus ist ungebrochen populär“, fasst Christina Lohr zusammen. 204 Teilnehmende wünschen sich in der Zukunft ein freistehendes Einfamilienhaus, 68 eine eigene Wohnung, nur vier beispielsweise ein Mikroappartement und nur eine Person ein WG-Zimmer. „Besonders wichtig sind der Generation Z die Aspekte Ökologie, Ökonomie und Soziales, so die Absolventin und nennt einige Beispiele: „Die Studierenden suchen eine gute Anbindung an den ÖPNV, eine schnelle Internetverbindung und Privatsphäre“.

Christina Lohr privat
Christina Lohr privat

Fachleute rechnen mit einem Paradigmenwechsel nicht innerhalb der nächsten Jahrzehnte

Christina Lohr, Master-Absolventin

Ähnliche Erkenntnisse brachten die Gespräche mit den fachlich versierten Stadtplanern unterschiedlicher Behörden, etwa in Sonthofen, Augsburg, Nürnberg und Regensburg hervor. Bei der Auswahl der Standorte achtete Lohr, die selbst im Allgäu aufgewachsen ist, auf die Mischung; die Behörden sollten in ländlichen Gebieten sowie verdichteten Städten verortet sein, um die möglichen Unterschiede abbilden zu können.

Auch hier ergab sich ein klares Bild, unabhängig von Größe und Struktur der einbezogenen Standorte. Alle Gesprächspartner bestätigen eine anhaltende Nachfrage im Bereich Einfamilienhaus. Als limitierenden Faktor nannten sie das mangelnde Platzangebot. Um einer drohenden Abwanderung einzelner Bevölkerungsgruppen entgegenzuwirken, arbeiten die Kommunen bereits an qualitativ gleichwertigen Alternativangeboten. So wird vielerorts versucht, Bauleitpläne zur bestmöglichen Flächenausschöpfung neu zu strukturieren. „Und auch wenn die befragten Fachleute aus städteplanerischer Perspektive das Einfamilienhaus bevorzugt durch andere Objekttypen ersetzt sehen würden, rechnen sie mit diesem Paradigmenwechsel nicht innerhalb der nächsten Jahrzehnte“, so Lohr.

Im Bundestagswahlkampf wurde das Eigenheim zum Spielball der Politik. Inzwischen ist das Rennen um das Kanzleramt entschieden, die Ampel-Parteien SPD, Grüne und FDP haben sich formiert. Und wie will die Koalition mit dem Wohnungsbau umgehen? Gebildet wurde ein eigenes Bau-Ministerium und geplant sind jährlich 400 000 neue Wohnungen, 100 000 davon öffentlich gefördert. Wie der Wunsch der Generation Z nach individuellem Wohnen, den Christina Lohr mit ihrer Umfrage herausgearbeitet hat, sich damit und mit der zunehmend veränderten Planungs- und Genehmigungspraxis vereinbaren lässt, ist noch offen – „und bietet jede Menge Stoff für weitere Analysen durch die Immobilienwirtschaft, auch an der Hochschule Biberach“, sagt Professor Thomas Beyerle.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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