Die Energiewende braucht Ingenieur*innen, die nicht nur Technologien kennen, sondern Energiesysteme im Zusammenhang begreifen. Genau darauf zielt der Bachelorstudiengang Energie-Ingenieurwesen (EI) an der Hochschule Biberach (HBC) ab: ein breites technisches Fundament, kombiniert mit Praxis, Wahlfreiheit und klarem Systemfokus.

Einen direkten Praxiszugang bietet unter anderem das Wahlfach „Thermische Kraftwerke“. Lehrbeauftragter Dr. Marc Jüdes, für die Fernwärme verantwortlicher Leiter und Ingenieur bei der EnBW, holt berufliche Realität in den Hörsaal. „Mir macht Lehre Spaß, und ich möchte jungen interessierten Menschen gerne einen Einblick in das praktische Berufsleben geben“, erklärt er. Fachlich bleibt der Blick dabei klar auf der Systemrelevanz: „Auch wenn im Jahresdurchschnitt rund 60 Prozent des Stroms aus Erneuerbaren Energien stammen, gibt es viele Stunden nahezu ohne Einspeisung – die sogenannten Dunkelflauten.“ In diesen Zeiten seien thermische Kraftwerke essenziell. Gleichzeitig macht Jüdes Mut zur Veränderung: „Niemand weiß genau, wie das Energiesystem der Zukunft im Detail aussieht – nur wenn man Lust auf Neues mitbringt, kann man sich den Herausforderungen ohne Sorgen widmen.“

Für ihn stehen vier Kompetenzen im Mittelpunkt: Lust auf Neues, systemisches Denken, kritisches Hinterfragen und lebenslanges Lernen. Denn: „Die Zukunft gehört denen, die vernetzte Systeme verstehen und mutig weiterentwickeln – einzelne Anlagen zu optimieren reicht längst nicht mehr aus.“

Mann vor Tafel
Mann vor Tafel

Wie stark dieser Ansatz bereits im Studium wirkt, zeigt Luisa Hartnagel, Studentin im 7. Semester. Bereits ihre Projektarbeit im 6. Semester zum Nahwärmenetz Dietenheim führte sie direkt ins Feld. „Zunächst haben wir das Projekt vor Ort begutachtet, dann in Untergruppen Wärmeerzeugung und Wärmenetz analysiert. Erst vor Ort versteht man, wie stark Systemwahl und räumliche Gegebenheiten die Machbarkeit beeinflussen.“ Sie selbst untersuchte die netzseitige Versorgung: „Mit dem Konzept haben wir einen ersten wichtigen Schritt in Richtung einer klimafreundlichen, innovativen Wärmeversorgung gemacht – und die Zielsetzung gestärkt, fossile Energieträger im Gebäudesektor zu reduzieren.“

Hartnagel schätzt an der HBC besonders die inhaltliche Tiefe und das Lernumfeld. In der Vorlesung von Marc Jüdes ist es vor allem der persönliche Austausch, der sie begeistert: „Wir konnten Themen mitgestalten und bekamen echte Erfahrungswerte aus dem Arbeitsalltag.“ Auch die Wahlfreiheit im Studium sieht sie als Vorteil: „Das Studium lässt mir die Freiheit, Schwerpunkte zu setzen – etwa in Gebäudetechnik oder Energietechnik, wozu ein Zusatzschwerpunkt in Digitalisierung ergänzt werden kann. Gleichzeitig bekomme ich echten Praxisbezug.“ 

Aktuell vertieft sie diese Themen weiter: Ihr Praxissemester, das Teil des Studiums an der HBC ist, absolvierte sie in einem Ingenieurbüro mit Fokus auf Energieberatung und Förderfähigkeit im Wohnungsneubau. Dort arbeitet sie während des Studiums als Werkstudentin – keine Seltenheit an der HBC - und wird auch ihre Bachelorarbeit in diesem Bereich schreiben. „Danach bin ich noch offen, ob Master oder `9-to-5`. Klar ist: mein Weg bleibt im Schwerpunkt Gebäudetechnik und Digitalisierung.“

Studentin grinst in Kamera
Studentin grinst in Kamera

Auch nach dem Abschluss stehen EI-Absolvent*innen viele Türen offen – von Energieversorger*innen und Ingenieurbüros über Wärme- und Netzplanung bis hin zu kommunaler Energie- und Stadtentwicklung, Industrie-Energieeinkauf oder digitalen Energielösungen. Jüdes bringt es auf den Punkt: „Traut euch! Die Themen sind spannend und werden in vielen Branchen gebraucht. Überall wird Energie benötigt – Fachwissen und methodische Kompetenz bleiben dauerhaft von herausragender Bedeutung.“