Zeitliche und räumliche Flexibilität gewinnen bei der Wahl eines Studiums zunehmend an Bedeutung. Darauf reagiert die Hochschule Biberach (HBC) mit dem gezielten Ausbau digitaler und hybrider Lehrformate. Blended-Learning-Konzepte, die Online-Lehre mit planbaren Präsenzphasen verbinden, sollen künftig eine noch größere Rolle spielen – sowohl in grundständigen Studiengängen als auch in der wissenschaftlichen Weiterbildung.
Wie diese Form des Studierens konkret aussehen kann, zeigt der Bachelorstudiengang „Digital Engineering“ aus der Fakultät Energie-Ingenieurwesen. Der Studiengang ist Teil der landesweiten Initiative „The bLÄNDed learning“, die vom Land Baden-Württemberg gefördert wird, und gilt an der HBC zugleich als Pilotprojekt für den strategischen Ausbau von Blended-Learning-Formaten. Ziel der Hochschule ist es, digitale und hybride Lehrangebote didaktisch sinnvoll weiterzuentwickeln, neue Zielgruppen anzusprechen und die Attraktivität des Studiums durch mehr zeitliche und räumliche Flexibilität zu steigern.
Der Bachelorstudiengang „Digital Engineering“ verbindet Inhalte aus Ingenieurwissenschaften, Betriebswirtschaft, IT und Künstlicher Intelligenz. Studierende beschäftigen sich unter anderem mit Digitalisierung in Industrie und Energietechnik, nachhaltigen Technologien, Programmierung, IT-Security und Produktionsprozessen. Gleichzeitig bietet das Studium die Möglichkeit, individuelle Schwerpunkte zu setzen – etwa in den Bereichen Digital Industrial Engineering, Digital Energy Engineering oder digitale Technologien und IT.
Der Studiengang ist zum Wintersemester 2025/2026 gestartet. Seit dem Sommersemester 2026 beteiligt sich die HBC aktiv an der Lehre. Angeboten werden an der Hochschule Biberach die Module Bauphysik (Prof. Andreas Gerber), Elektrotechnik (Prof. Volker Wachenfeld), Gebäudebeheizung (Prof. Dr. Alexander Floß) sowie ein Orientierungsseminar unter Leitung von Prof. Dr. Martin Becker und Prof. Dr. Alexander Floß.
Getragen wird der Studiengang gemeinsam von den Hochschulen Albstadt-Sigmaringen – als federführender Hochschule –, Offenburg und Biberach. Koordiniert werden die „The bLÄNDed learning“-Studiengänge durch die Geschäftsstelle an der Hochschule Furtwangen unter Leitung von Melanie Wittmann.
Wie die Zusammenarbeit zwischen mehreren Hochschulstandorten organisiert wird, erlebt Martina Kopf als Assistentin im Studiengang an der HBC. Sie koordiniert organisatorische Abläufe mit den Partnerhochschulen und begleitet die hochschulübergreifenden Abstimmungen.
„Ein wichtiger Bestandteil ist unser regelmäßiger Jour Fixe, der alle zwei Wochen online stattfindet“, erklärt Kopf. Dort tauschen sich die organisatorisch Verantwortlichen der beteiligten Hochschulen über aktuelle Themen, Herausforderungen und Lösungen aus. Ergänzend dazu gibt es Abstimmungsrunden zwischen den beteiligten Professorinnen und Professoren.
Die Zusammenarbeit bringe besondere organisatorische Anforderungen mit sich. Unterschiedliche technische Systeme, Abläufe und Zuständigkeiten müssen hochschulübergreifend koordiniert werden. „Die Kommunikation zwischen den beteiligten Hochschulen sicherzustellen und den Studierenden trotz unterschiedlicher Voraussetzungen einen reibungslosen Studienablauf zu ermöglichen, gehört zu den zentralen Aufgaben“, so Kopf.
Das Besondere am Studiengang: Der überwiegende Teil des Studiums findet digital statt – synchron in gemeinsamen Online-Veranstaltungen oder asynchron über digitale Lernplattformen und Selbstlernphasen. Ergänzt wird die Online-Lehre durch kompakte Präsenzphasen an den beteiligten Hochschulen.
Mitte April waren Studierende des Studiengangs erstmals zu Präsenztagen an der HBC zu Gast. Teilgenommen haben sowohl Erst- als auch Zweitsemester. Das Programm umfasste Vorträge, Laborführungen, Besichtigungen und eine Exkursion. Auch das Innovationsforum der HBC stand auf dem Programm. Neben fachlichen Inhalten stand dabei vor allem die Vernetzung der Studierenden im Mittelpunkt – ein wichtiger Bestandteil des Studienkonzepts.
Auch fachlich ist der Studiengang breit aufgestellt: Die Teilnehmenden kommen aus unterschiedlichen beruflichen Bereichen – darunter Außendienst, Rettungsdienst oder öffentliche Verwaltung. Diese Vielfalt bereichere laut Kopf zwar den Austausch, mache aber zugleich eine enge Abstimmung der Lehrinhalte notwendig.
Für die Beteiligten an der HBC bietet die Zusammenarbeit mit den Partnerhochschulen auch neue Perspektiven im Arbeitsalltag. „Menschen mit ähnlichen Aufgaben, aber neuen Sicht- und Arbeitsweisen kennenzulernen, Erfahrungen zu teilen und voneinander zu profitieren – das macht die Zusammenarbeit besonders spannend“, sagt Martina Kopf.