Die Besucher*innen stehen in einem abgedunkelten Raum. Sie haben Schutzbrillen auf – sehen können sie zunächst wenig. Doch dann knipsen die Studentinnen Salome Motz und Vanessa Ehrhardt das Licht an. Genauer gesagt UV-Licht, also eine ultraviolette Strahlung, die das menschliche Auge nicht sehen kann. Der Trick beim Open Campus Biotech der Hochschule Biberach (HBC): Die Studierenden halten fluoreszierende Stoffe unter die Lichtquelle. Sichtbar werden leuchtende Farben, zum Beispiel die einer Schutzweste, von Waschpulver, Tonic Water oder einem Geldschein. In allem, was sie zeigen befinden sich Substanzen, die das UV-Licht absorbieren und als sichtbares Licht wieder abstrahlen - ein leuchtendes Farbenspiel in Gelb-, Grün- und Blautönen. Der fachliche Hintergrund im Bereich Biotechnologie:  Im Labor ist UV-Licht ein wichtiges Werkzeug für Analysen. So wird es zum Beispiel genutzt, um das Green Fluorescent Protein sichtbar zu machen oder DNA-Fragmente zu untersuchen.

Das Leuchtlabor ist eine von zehn Stationen beim Tag der offenen Tür der Fakultät Biotechnologie am vergangenen Samstag. Von 10 bis 14 Uhr präsentierten sich die Studiengänge Pharmazeutische und Medizinische Biotechnologie am Standort Aspach. Die Biberacher Bevölkerung nahm den Parcours durch die Labore begeistert an. Line Braun zum Beispiel ist 14 und schon jetzt interessiert sie sich für die Naturwissenschaften. Gemeinsam mit ihrer jüngeren Schwester Lea und ihren Eltern ist sie aus Bad Schussenried gekommen, um die vielen Stationen zu absolvieren. Jeder Gast erhält an diesem Tag eine Stempelkarte, die zugleich den Weg durch die Gebäude weist. Wer sechs von zehn Stempel einsammelt, kann am Gewinnspiel teilnehmen. Was Line am besten gefällt? Sie darf in einen Laborkittel schlüpfen und unterscheidet sich optisch kaum mehr von den Wissenschaftler*innen der Hochschule. Das Motiv wird mit der Handykamera festgehalten – für die Chemielehrerin.

Leuchtlabor
Leuchtlabor

Miriam Braig aus Ehingen ist schon etwas weiter und überlegt bereits konkret, für welches Studium sie sich entscheiden möchte. Ihr Interesse: Chemie. Die Veranstaltung möchte sie nutzen, um herauszufinden, ob das Studienangebot der Hochschule Biberach ebenfalls in Frage kommt. Einige Studierende nutzen den Open Campus Biotech, um ihren Freunden und Familien den Ort vorzustellen, an dem sie zu Biotechnolog*innen ausgebildet werden. Zum Beispiel Benjamin Guggenmoos. Der gelernte Chemikant studiert im 3. Semester Medizinische Biotechnologie und ist begeistert. Seine Studienentscheidung war ein Volltreffer, heute sollen seine Eltern Tanja und Stefan Guggenmos die Hörsäle und Labore kennenlernen. Für die beiden biotechnologischen Laien eine gute Gelegenheit, detaillierte Einblicke in die Studienwelt des Sohnes zu erhalten.

Open Campus Biotech
Open Campus Biotech

Sandra Behmüller, wissenschaftliche Mitarbeiterin der Fakultät und Organisatorin der Veranstaltung ist überwältigt. Die Idee, die sie gemeinsam mit ihren Kolleg*innen für den Open Campus Biotech entwickelt hat, geht auf. Sie freut sich über die vielen Besucher*innen – am Ende der Veranstaltung werden es über 200 sein – aus allen Altersgruppen und über deren ausgeprägtes Interesse. „Unsere Gäste durchlaufen alle Stationen und nehmen sich viel Zeit für die verschiedenen Themenbereiche“. Auch der Dekan der Fakultät, Prof. Dr. Oliver Peters-Hädicke freut sich über den Zustrom und darüber, dass „wir zeigen können, was uns ausmacht“. 

An den zehn Stationen ließ sich Biotechnologie aus verschiedenen Blickwinkeln kennenlernen: von Molekülen und DNA über Zellen und Bakterien bis hin zu ihrer Bedeutung für den menschlichen Körper. Gleichzeitig konnten die Besucher*innen selbst aktiv werden, DNA aus der eigenen Mundschleimhaut isolieren, einen Führerschein fürs Pipettieren absolvieren, selbst durchs Mikroskop schauen und am Fermenter verfolgen, wie biotechnologische Prozesse ablaufen. Dabei hatte sich das Team witzige Titel einfallen lassen, die die Neugierde weckten: Bei „Hallo, du Süße!“ etwa ging es um Zucker, der sich in Lebensmitteln versteckt, und darum, wie sich die Zuckersteuer preislich auswirken kann.

Begleitet wurde der Labor-Parcours von einer umfangreichen Ausstellung. Mit wissenschaftlichen Postern präsentierte sich die Professorenschaft mit ihren Themen in Lehre und Forschung, auch die Formate des Lebenslangen Lernen wurden vorgestellt. So bietet das Institut für Bildungstransfer der Hochschule Biberach auch in der Biotechnologie berufsbegleitende Studiengänge sowie sogenannte Micro Credentials, also Bildungs-Häppchen, mit denen sich Berufstätige gezielt in spezifischen, zeitlich begrenzten Sequenzen fortbilden können. 

Weitere Plakate stellten die Fakultät und ihre Angebote im Überblick vor. Eine Chronik zeigte auf, wie sich der Schwerpunkt Biotechnologie seit 2003 entwickelt hat. Damals wurde die Einrichtung des Fachbereichs per Kabinettsbeschluss im Landtag von Baden-Württemberg entschieden – im Wintersemester 2006/2007 starteten die ersten Studierenden der Pharmazeutischen Biotechnologie. Die Fakultät feiert also ihr 20-jähriges Bestehen – der Open Campus Biotech ist ein erster Baustein des Jubiläumsprogramms. Weiter geht es im Januar, dann lädt die Fakultät zum Neujahrsempfang ein, der diesmal im Zeichen der 20 Jahre Biotechnologie am Campus Aspach steht.  Längst hat sich die damals völlig neue Disziplin der Hochschule Biberach zu einer „starken Säule in Lehre, Forschung und Transfer der HBC etabliert“, sagt Prof. Dr. Oliver Peters-Hädicke, Dekan der Fakultät Biotechnologie. „Die heutige Veranstaltung stellt die Entwicklung unserer Fakultät und damit der Hochschule in beeindruckender Weise dar“. 

Glücksrad
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