Das Institut für Holzbau (IfH) der Hochschule Biberach pflegt seit vielen Jahren enge Verbindungen nach Chile, insbesondere zur Universidad de Concepción (UdeC). Wissenschaftler*innen beider Institutionen arbeiten gemeinsam an Projekten für einen nachhaltigen sozialen Wohnungsbau. Zuletzt wurde im Forschungsprojekt Bienes Públicos - PoloMadera ein klimaneutraler Prototyp entwickelt und tatsächlich gebaut; die Ergebnisse wurden im Rahmen eines internationalen Seminars vorgestellt.
Die Idee zur Kooperation im Rahmen des Projekts entstand bereits 2023: Damals waren Studierende wie auch Mitarbeiter des Biberacher Instituts für Holzbau in Chile und beteiligten sich u.a. nach verheerenden Waldbränden tatkräftig an einem Wiederaufbauprojekt. Sie planten vorgefertigte Gewächshäuser und Hühnerställe, die anschließend gemeinsam im Rahmen eines Studierendenprojekts montiert und aufgebaut wurden. Aus dieser Zusammenarbeit entwickelte sich die langfristige fachliche Unterstützung der HBC für die Planung, Fertigung und Montage von Sozialwohnungen in der Region Biobío.
Ziel des Forschungsprojekt Bienes Públicos - PoloMadera war die Entwicklung und Evaluation von Entwürfen, die auf leichtem Holzrahmenbau basieren und sowohl Energieeffizienz als auch Nachhaltigkeitskriterien berücksichtigen. Der Fokus lag dabei stets auf einer realistischen, zukünftigen Umsetzung in der chilenische Region Biobío. Zu den wichtigsten Ergebnissen zählen die Planung und der Bau eines Sozialwohnungsprototyps, der auf Kohlenstoffneutralität bis 2050 ausgerichtet ist. Dieser Prototyp wurde auf dem Campus der Universität von Concepción errichtet und wird hinsichtlich hygrothermischer und energetischer Leistungsfähigkeit untersucht. Weitere Ergebnisse sind die Entwicklung zusätzlicher Entwurfsvarianten für Wohnugen, spezialisierte technische Berichte sowie ein übertragbares Baukastensystem für ländliche Gebiete wie Santa Juana, so die Projektleiterin Valentina Torres Poblete von der UdeC.
Die enge Zusammenarbeit der beiden Hochschulen war besonders in der frühen Phase des Projekts von großer Bedeutung. Das Team um Prof. Dr.-Ing. habil. Jörg Schänzlin, Leiter des Instituts für Holzbau, brachte wertvollen fachlichen Input ein und beteiligte sich intensiv an den gemeinsamen Design-Diskussionen. Bei einem weiteren Besuch im Frühjahr 2024 konnte der IfH-Mitarbeiter Johannes Ruf erneut aktiv an den Planungsarbeiten mitwirken.
„Unsere fachliche Kompetenz im Bereich Vorfertigung von nachhaltigen Holzkonstruktionen war insbesondere zu Beginn des Projekts wichtig“, berichtet Johannes Ruf. So konnten einige Ausführungsvarianten und Details für den Prototyp entwickelt wurden. Die Herausforderung dabei war es die unterschiedlichen Standards in Chile und Deutschland, etwa in Bezug auf Zoll bzw. Metrische Bemaßungen zu vereinen, so der Ingenieur, der an der Hochschule Biberach sein Bachelor- wie Master-Studium Bauingenieurwesen abgeschlossen hat und nun als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Holzbau tätig ist.