Wenn Studierende aus Frankreich, Litauen und Deutschland gemeinsam im Labor stehen, geht es nicht nur um Fachwissen, sondern ebenso um Austausch, neue Perspektiven und gemeinsames Lernen. Genau das stand im Mittelpunkt der erstmals durchgeführten Spring School an der Fakultät Biotechnologie der Hochschule Biberach.
Für das Format kamen insgesamt neun internationale Studierende nach Biberach: fünf von der CPE Lyon (Frankreich), begleitet von einer Betreuerin, sowie vier von der Vilnius University (Litauen). Gemeinsam mit Studierenden der HBC arbeiteten sie an biotechnologischen Fragestellungen mit klarem Praxisbezug. Die Verbindung zur Vilnius University besteht bereits seit einigen Jahren und wurde durch ein Erasmus-Abkommen gefestigt. Die Idee für das Projekt entstand 2023 während einer Exkursion nach Vilnius, bei der erste Überlegungen für ein gemeinsames Kurzzeitangebot entwickelt wurden. Die Kooperation mit der CPE Lyon kam über Prof. Dr. Sybille Ebert, Studiendekanin im Master Pharmaceutical Bioengineering, zustande, die eng mit Partnern in Frankreich vernetzt ist und die Zusammenarbeit aktiv vorantreibt. Ein wichtiger Standortvorteil in Biberach ist die technische Infrastruktur, insbesondere die Fermentationsanlagen, mit denen sich komplette biotechnologische Prozesse im Labormaßstab abbilden lassen.
Die Lehrveranstaltungen kombinierten Online-Formate und praktische Laborarbeit. In Vorlesungen vermittelte René Handrick, wissenschaftlicher Mitarbeiter, Grundlagen zur Herstellung biopharmazeutischer Produkte. Anschließend setzten die Studierenden dieses Wissen direkt um: Sie kultivierten Zellkulturen, skalierten diese schrittweise und bauten eigenständig eine Fermentationsanlage auf. Ziel war es, den gesamten Prozess von der Theorie bis zum fertigen Produkt nachvollziehbar zu machen.
Neben den fachlichen Inhalten gab es auch ein gemeinsames Freizeitangebot. Dazu gehörten ein Besuch am Bodensee, ein Ausflug nach Ravensburg sowie gemeinsame Restaurantbesuche in und um Biberach, bei denen die Teilnehmenden die Region und sich untereinander besser kennenlernen konnten. Betreut wurde die internationale Gruppe dabei von Julija Liemke, wissenschaftliche Mitarbeiterin und Absolventin der Universität Vilnius, die als Ansprechpartnerin während der gesamten Zeit zur Verfügung stand.
Das neue Format wurde erstmals durchgeführt und von allen Beteiligten positiv bewertet. Im Mittelpunkt stand neben den fachlichen Inhalten insbesondere der internationale Austausch. Eine Fortsetzung ist bereits geplant: Über eine gemeinsame Erasmus-Förderung soll das Angebot künftig jährlich stattfinden, im Wechsel zwischen Biberach, Lyon und Vilnius. Studierende erhalten so die Möglichkeit, unterschiedliche Hochschulen, Arbeitsweisen und Forschungsschwerpunkte kennenzulernen.
Gerade im Bereich der Biotechnologie bieten solche Kooperationen große Vorteile: unterschiedliche technische Ausstattung, neue Herangehensweisen und interdisziplinäre Zusammenarbeit. Gleichzeitig entstehen Kontakte, die über das Studium hinauswirken können – etwa durch Möglichkeiten für Abschlussarbeiten im Ausland.
Auf Seiten der Hochschule Biberach war Prof. Sybille Ebert maßgeblich an Organisation und Aufbau der Kooperation beteiligt. Die inhaltliche und praktische Umsetzung wurde insbesondere von René Handrick und Gerhard Eigenstetter getragen, die die Lehrveranstaltungen durchführten und die Studierenden im Labor begleiteten.
Insgesamt zeigt die Spring School, wie internationale Zusammenarbeit in der Lehre konkret aussehen kann: praxisnah, vernetzt und zukunftsorientiert. Sie verbindet fachliche Qualifikation mit interkulturellem Austausch und schafft damit wichtige Grundlagen für die Arbeit in einem global geprägten Berufsfeld wie der Biotechnologie.
Finanziell unterstützt wurde die Spring School von InnoProject.