Der von Studierenden und Lehrenden der Hochschule Biberach (HBC) für den Hochschulwettbewerb Solar Decathlon Europe 21/22 entwickelte Prototyp X4S kehrt an seinen Ursprungsort zurück. Auf dem Campus Stadt wird das Gebäude künftig eine zentrale Rolle in der Campusentwicklung hin zum klimaneutralen Campus spielen – als Treffpunkt für den Campus Zukunft, als Reallabor und Forschungsobjekt.
Beim Solar Decathlon in Wuppertal hatten internationale Studierendenteams unterschiedliche Demonstrationsgebäude für klimaneutrales und ressourcenschonendes Bauen errichtet. Das HBC-Team brachte mit X4S einen Prototyp ein, der Energieeffizienz, Holzbau und multifunktionale Bauteile intelligent kombiniert. Acht Gebäude, darunter X4S, wurden nach Beendigung des Wettbewerbs von der Bergischen Universität Wuppertal weiterbetrieben und im sogenannten Living Lab NRW als Reallabor für klimaneutrales und nachhaltiges Bauen wissenschaftlich untersucht.
Nun endet das Projekt und die einzelnen Prototypen erhalten neue Nutzungskonzepte. Die meisten Prototypen wurden an neue Besitzer verkauft – das Gebäude X4S wird wieder an die Hochschule Biberach übergeben und erhält am Campus Stadt eine neue Funktion als zentrale Anlaufstelle sowie Reallabor für Lehre und Forschung.
Die Rückholaktion steht im Zusammenhang mit der anstehenden umfangreichen Campusentwicklung, denn die Hochschule Biberach ist Pilotprojekt des Landes Baden-Württemberg für einen klimaneutralen Campus bis 2030. In den kommenden Jahren wird der Standort der HBC zu einem der modernsten im Land. Nahezu 40 Millionen Euro investiert das Land Baden-Württemberg für den Campus Zukunft. Der Wiederaufbau von X4S, der in diesem Sommer geplant ist, markiert einen sichtbaren Startpunkt für das ehrgeizige Vorhaben.
Das Gebäude wird als Bauhütte genutzt, hier werden alle Fäden des Projektes zusammenlaufen, Informationen weitergegeben und Infoveranstaltungen angeboten. Auch soll X4S zum zentralen Treffpunkt für den Austausch von Hochschulmitgliedern, am Bau beteiligten Unternehmen und Gewerken werden – bis hin zur Pop-Up-Bar bei Hochschulfesten.
Kanzler Thomas Schwäble betont: „Der Lebenszyklus des einst als Prototyp geplanten Gebäudes wird damit nachhaltig erweitert und verlängert. Auch entsteht ein nachhaltiger Transferkreislauf von Idee, Versuch und Anwendung direkt auf dem Campus.“ Die HBC verbinde so die bauliche Transformation mit einem lebendigen, identitätsstiftenden Lern- und Lebensort.
Prof. Andreas Gerber, der den Solar Decathlon an der HBC wissenschaftlich begleitet hat, wird X4S auch künftig intensiv in Lehre und Forschung einbinden. Zwei konkrete Forschungsprojekte sind geplant, unter anderem im Rahmen einer Promotion: X4S wird als Demonstrator für innovative Belüftungskonzepte von Flachdächern dienen. Und anhand des sogenannten Active-Layer-Konzeptes – eines Bauteils, das Schallschutz und Wärmespeicherung kombiniert – sollen Algorithmen für den netzdienlichen Betrieb von Gebäuden mit Wärmepumpensystemen entwickelt und überprüft werden.
Foto: Die Akteur*innen der verschiedenen Hochschulteams erhielten symbolisch Schlüssel zur Übergabe ihrer SDE21-Gebäude. ©Friederike von Heyden (Bergische Universität Wuppertal)
„Damit wird X4S langfristig zur Plattform für praxisnahe Erprobung innovativer Gebäudetechnik der Institute für Gebäude- und Energiesysteme sowie für Holzbau und unterstützt uns dabei, wissenschaftlich fundierte Lösungen für die Wärmewende im Gebäudebestand zu entwickeln“, so der Bauphysiker Andreas Gerber, der zudem Dekan der Fakultät Architektur und Energie-Ingenieurwesen ist.
Die Erfolgsgeschichte, die mit der Biberacher Teilnahme an dem internationalen an den Campus Zukunft Biberach fortgeschrieben – als Baustein auf dem Weg zu einem klimaneutralen Hochschulstandort.
Im Sommer 2022 errichteten internationale Studierendenteams insgesamt 16 Demonstrationsgebäude in Wuppertal. Acht dieser Gebäude, darunter X4S der Hochschule Biberach, wurden von einer Fachjury ausgewählt und blieben nach dem Wettbewerb als öffentlich begehbare Forschungs- und Ausstellungsobjekte bestehen.
Das Living Lab NRWwar ein vom Ministerium für Wirtschaft, Industrie, Klimaschutz und Energie des Landes Nordrhein-Westfalen gefördertes Reallabor. Mit acht Gebäuden und einem innovativen Nahwärmenetz bot es rund drei Jahre lang eine Plattform rund um nachhaltiges Leben und klimaneutrales Bauen in Städten und verband Forschung, Lehre, Aus- und Weiterbildung sowie den Austausch mit der Öffentlichkeit. Hervorgegangen ist das Living Lab aus dem Solar Decathlon Europe 21/22: