Beim jüngsten (K)am(I)ngespräch an der Hochschule Biberach (HBC) stand die Frage im Mittelpunkt, wie Künstliche Intelligenz Handwerksbetriebe dabei unterstützen kann, die Komplexität des Bauwesens im Alltag zu bewältigen. Das Angebot stieß auf breites Interesse – in der Aula der HBC diskutierten regionale Zimmereibetriebe, Heizungs- und Sanitärbetriebe, Einrichtungen der beruflichen Aus- und Weiterbildung sowie Lehrende und Studierende.

Rektor Prof. Dr.-Ing. Matthias Bahr betonte bei der Eröffnung die Chancen von KI für eine produktivere und effizientere Baupraxis und als Beitrag für die Herausforderungen eines sich wandelnden Arbeitsmarktes: „KI gefährdet nicht Arbeitsplätze, sondern kann helfen, den Fachkräftemangel angesichts des dramatischen Bevölkerungsrückgangs zu decken. „Wir müssen in erster Linie produktiver und effizienter werden und dafür brauchen wir auch KI.“ Zugleich zeigte er auf, wie die Hochschule das Thema in Lehre, Forschung und Transfer berücksichtigt – beispielhaft für diese Aktivitäten stehe die Veranstaltung der Digital Minds Academy, die aktuelle Entwicklungen zu KI und Digitalisierung mit den Lehr- und Forschungsschwerpunkten der Hochschule verknüpft und als Plattform für Dialog, Vernetzung und Wissenstransfer zwischen Praxis, Bildung und Wissenschaft diene.

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Prof. Dr.-Ing. Hannes Schwarzwälder, Professor für Digitalisierung an der Fakultät Bauingenieurwesen und Projektmanagement, machte in seinem Impuls deutlich, wie sehr steigende Baukosten und hoher bürokratischer Aufwand zusammenhängen. Er zeigte auf, dass Betriebe ihre Daten zunächst in maschinenlesbarer Form bereitstellen müssen, um Prozesse zu automatisieren und Künstliche Intelligenz überhaupt sinnvoll einsetzen zu können: „Ich kann nur jedem dazu raten, sich damit im Betrieb zu beschäftigen“, rät Schwarzwälder. Nur so könne Künstliche Intelligenz im Betrieb auch wirklich effizient eingesetzt werden.

Denn in einer zweiten Stufe könnten diese Daten weiter genutzt werden, um Prozesse zu automatisieren, so Schwarzwälder, der den Studiengang Bau-Projektmanagement als Studiendekan verantwortet. In der dritten Stufe müsse ein Abgleich der Prognosen mit realen Informationen über das Bauwerk stattfinden. Dafür stünden bereits heute passende Technologien bereit, etwa Drohnen, Roboter, Kamerasysteme oder Laserscanner, die ein digitales Bild der Baustelle liefern könnten. 

In der anschließenden Podiumsdiskussion berichteten Frank Hellgoth, Inhaber von Hellgoth Bedachungen in Biberach, Ralf Galster von der sinfiro GmbH und Jannik Brose von der aconium GmbH aus unterschiedlichen Perspektiven der Praxis und Entwicklung. Brose stellte einen KI-Assistenten für das Dachdeckerhandwerk vor. Ziel ist unter anderem der schnelle und unkomplizierte Zugang zu Fachregelwerken und Erfahrungswissen und damit eine Minimierung des bürokratischen Aufwands, der in der Absprache zwischen Handwerker und Bauleitung entsteht. Außerdem kann der Assistent Fachregelwerke in einfache Sprache übersetzen und enthält eine Funktion zur Bilderkennung auf der Baustelle, die Brose vor Ort live demonstrierte. Der Assistent ist Teil des Projektes BauNXT, das von der Kreishandwerkerschaft Ravensburg getragen wird, und wird in enger Zusammenarbeit mit derzeit zehn umsetzenden Betrieben in kontinuierlichen Feedbackschleifen weiterentwickelt.

Hellgoth schilderte, wie der Assistent im Betrieb hilft, schnell an gesicherte Informationen zu kommen: „Der KI-Assistent ersetzt keinen qualifizierten Mitarbeiter, hilft aber dabei, schnell an gesicherte Informationen zu kommen, um idealerweise eine Bestätigung für die geplante Ausführung einer Baumaßnahme zu bekommen.“

Galster gab einen übergeordneten Blick auf die Chancen von KI in der Baubranche und warb für eine enge Zusammenarbeit und den Austausch von Wissen über Unternehmensgrenzen hinweg: „Nur gemeinsam können wir dieses Thema implementieren. Wir müssen Wissen austauschen, damit es nicht nur in einem Unternehmen bleibt, sondern wir eine breite Wissensbasis bekommen.“ Sein Fazit: „Bauen ist eigentlich nicht kompliziert, es ist komplex. Diese Komplexität aufzulösen, mit entsprechenden Tools, damit jeder weiß, was seine Aufgabe und Rolle ist, das ist das A und O.“