Holz und Lehm als Baustoffe der Zukunft: Mit Beiträgen zu nachhaltigen Konstruktionen war das Institut für Holzbau (IfH) der Hochschule Biberach (HBC) in den vergangenen Tagen bei zwei Fachveranstaltungen vertreten. Auf der Fachtagung Holzbau Baden-Württemberg stellte das Team u.a. eine tragende Lehm-Holz-Verbunddecke vor. Bei der internationalen ReSBE-Konferenz in Griechenland rückten tragende Lehmbaustoffe in den Fokus – auch in einer vom IfH initiierten und organisierten wissenschaftlichen Session.
Den Auftakt bildete die 48. Fachtagung Holzbau Baden-Württemberg am 7. Oktober 2026 im Hospitalhof Stuttgart. Die Veranstaltung wurde von proHolz Baden-Württemberg und dem Institut für Holzbau rund um den wissenschaftlichen Leiter, Prof. Dr.-Ing.habil Jörg Schänzlin, organisiert und widmete sich aktuellen Entwicklungen und realisierten Projekten im Holzbau. Das Branchentreffen für Architekt*innen, Ingenieur*innen und Fachplaner*innen bot Vorträge zu aktuellen Entwicklungen und Projekten im Holzbau sowie eine Fachmesse mit mehr als 30 Ausstellenden.
Dabei ging es auch um das Potenzial der Verbindung von Holz mit weiteren natürlichen Baustoffen. Die Wissenschaftler*innen Jessica Ernst und Konstantin Nille-Hauf von der Hochschule Biberach präsentierten eine innovative Lehm-Holz-Verbunddeckenkonstruktion mit tragender Funktion und machten deutlich: „Holz-Beton-Verbunddecken senken Kohlendioxidemissionen beim Bauen nicht ausreichend,“ so Nille-Hauf. Durch den Einsatz von Lehm könne jedoch nicht nur der CO2-Fußabdruck deutlich gesenkt werden, „Lehm ist regional verfügbar, nachhaltig und kreislauffähig“ und ermögliche in verdichteter Form größere Spannweiten, so Ernst.
Die Forschungsfragen der beiden Wissenschaftler*innen werden u.a. im Forschungsprojekt InDeckLe bearbeitet, in dem die HBC und die Hochschule für Technik Stuttgart nachhaltige Deckenkonstruktionen aus Lehmverbund untersuchen. Weitere Beiträge der Fachtagung behandelten unter anderem Laubholz-Skelettbau, flexible Wohnkonzepte, Ökobilanzierung und zirkuläre Bauweisen. Dabei wurde erneut deutlich: Holzbau ist eine der wichtigsten Antworten auf die großen Fragen der Gegenwart, gerade angesichts tiefgreifender Transformationsprozesse wie Klimawandel, Ressourcenknappheit, Flächenkonsum und Wohnungsnot, betonte Markus Nöth, Geschäftsführer von proHolzBW. Über die inhaltliche Beteiligung hinaus wirkte das IfH auch an der Vorbereitung der Veranstaltung mit.
Das Institut für Holzbau war mit seinen innovativen Projekten bei einer weiteren, internationalen Tagung in Griechenland gefragt. Die Konferenz „ReShaping the Built Environment through Sustainability and Circularity“ („Die gebaute Umwelt durch Nachhaltigkeit und Kreislaufwirtschaft neu gestalten“) fand in der vergangenen Woche in Thessaloniki statt und widmete sich nachhaltigen und zirkulären Ansätzen für die gebaute Umwelt.
Jessica Ernst und Konstatin Nille-Hauf stellten auch dort ihre Forschungsprojekte vor, diesmal gemeinsam mit ihren Kollegen Danilo Cárcamo Linnebrink und Robert Brünjes. Unter dem Titel „A New Era of Load-Bearing Earthen Materials?“ („Eine neue Ära tragender Lehmbaustoffe?“) beleuchteten insgesamt sechs Vorträge von 13 Forschenden aus acht deutschen Forschungseinrichtungen aktuelle Ansätze und Entwicklungen zu tragenden Lehmbaustoffen.
Neben dem Biberacher Institut für Holzbau waren das Institut für Angewandte Bauforschung Weimar gGmbH, die Technische Universität Dresden, die Universität der Künste Berlin, die Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung, die Ostbayerische Technische Hochschule Regensburg, die Hochschule für Technik Stuttgart sowie die Materialforschungs- und -prüfanstalt an der Bauhaus-Universität Weimar beteiligt. Das IfH hatte die Session initiiert und organisiert, zudem moderierte Jessica Ernst diese als Session Chair. Die wissenschaftlichen Beiträge sind als Full Papers bei Springer Nature verfügbar.
Die beiden Fachveranstaltungen machten deutlich, wie breit sich die Forschung des IfH mit nachhaltigen Konstruktionen auseinandersetzt: von Holzbau und Holz-Lehm-Verbundsystemen bis zur Weiterentwicklung tragender Lehmbaustoffe. Sie boten zugleich Gelegenheit, Forschungsergebnisse mit Fachleuten zu diskutieren und den Austausch innerhalb der Branche und der Forschung zu stärken.
Studierende der Hochschule Biberach haben die Möglichkeit, sich an Projekten zu beteiligen. Gerade für das noch junge Forschungsfeld des Lehmbaus werden Abschlussarbeiten vergeben. Studierende, die sich für nachhaltige Baustoffe und aktuelle Forschungsfragen rund um den Lehmbau interessieren, seien herzlich eingeladen, sich zu melden, sagt Jessica Ernst: „Wir freuen uns über interessierte Studierende und deren neue Ideen!“