Mit einem großen Fest hat der Studiengang Architektur Prof. Felix Schürmann verabschiedet, der nach 37 Semestern die HBC verlässt. Zu dem Abend kamen Familie, Kolleg*innen aus Hochschule und eigenem Büro, Studierende, Aktive und Ehemalige. Die Gruppen lassen sich dabei nicht eindeutig abgrenzen, vielmehr ist es ein großer Fanclub, der an diesem Abend ins Audimax strömt, um die Last Lecture von Felix Schürmann zu hören. Anschließend wird das traditionelle Sommerfest steigen, das der Studiengang in diesem Semester vorverlegt hat, um Felix Schürmann die große Bühne zu bieten.
Apropos Bühne, dieser Begriff wird den Abend rahmen, ihm einen roten Faden geben. Dabei baut sich die Dramaturgie des Abends langsam auf, zunächst zeigten Kolleg*innen des Studienganges Bilder von gemeinsamen Exkursionen oder Projekten und erzählen ihre ganz persönliche Geschichte, die sie mit Felix Schürmann verbindet. Anschließend traten zahlreiche Studierende aus unterschiedlichen Semestern nach vorne und brachten mitunter poetisch hervor, was sie von ihrem Professor in Erinnerung behalten werden: „Tische weg, Stühle weg – wir bauen eine Bar!“, „Keine Angst vor dem Stift, er zeigt dir den Weg“. Und natürlich: „Architektur als Bühne“.
Wie Felix Schürmann diese letzte Aussage versteht, zeigte er eindrucksvoll in seinem eigenen Vortrag, den er als Annährung überschrieben hatte und in zehn Kapiteln sein Verständnis von Architektur und Hochschule skizzierte. Dabei sieht er die Hochschule als gesellschaftlichen Ort, an dem jungen Menschen sozialisierten werden (müssen). Eine wichtige Funktion, denn die „konsensuale Kraft“, die die Gesellschaft in der Vergangenheit verbunden habe, „ist nicht mehr da“ – die Anforderungen an Bildungseinrichtungen würden dadurch steigen, ist Schürmann überzeugt.
Deshalb sei es wichtig, dass die Studierenden im Studium ihre eigene Persönlichkeit entwickeln und ein soziales wie politisches Bewusstsein formen. Was kann die Architektur hierfür leisten, wie können Wohnungen, Schulen, Kultur und Quartier gestaltet werden, damit ein solche Entwicklung ermöglicht wird?
„Es gibt einen ganz besonderen Moment in unserer Arbeit als Architekt*innen, der Lärm der Baustelle ist vergangen, alles ist geputzt, alles ist ganz still. Und wenn man dann ruhig wird und aufmerksam ist, dann hört man das Haus zum ersten Mal sprechen“, sagte er, ein Zitat von Paul Valéry paraphrasierend, und zeigte Bilder einer Schule, die in seinem Münchner Büro entworfen und realisiert wurde. So wurde deutlich, dass „Räume keine Gefäße sind, die gefüllt werden, sondern Bühne und Ort der Entfaltung, „ganz wie im richtigen Leben, der Sichtbarkeit, der Sehnsucht nach Zusammenkommen und Respekt vor und mit jeder einzelnen Person“.
Für Schürmann geht die Überlegung des Gesehenwerdens und des Sich-Zeigens weiter, denn Architektur ist eine Bühne, auf der die Kraft des eigenen Gedankens präsentiert werden kann. So kommen Menschen in Resonanz, zeigen ihre Emotionen und übernehmen Selbstverantwortung. Studium sei deshalb mehr als Lehrvermittlung und Lernen, es „bedarf einer verantworteten Lehre und eines mündig werdenden Lernens“, sagte Felix Schürmann und rief die Hochschule als verantwortungsvollen Lernort aus. Für diese persönliche Annäherung, für Skizze seiner Haltung zu Studium, Lehre und Architektur erhielt Prof. Felix Schürmann Standing Ovation in einem bis auf den letzten Platz gefüllten Audimax.
Fotos: HBC/Anette Schober-Knitz