Das Hochschulorchester der Hochschule Biberach hat in den letzten drei Semestern Schauspielmusiken zur Orestie einstudiert: Jules Massenet schuf eine Schauspielmusik zu den ersten beiden Teilen der Orestie, die er für die französische Adaption des Stückes durch Charles Leconte de Lisle komponierte. Charles Villiers Stanford komponierte für das griechische Theater der Universität Cambridge eine Bühnenmusik zum dritten Teil. Diese Musik galt als verschollen – das Hochschulorchester hat sie aus dem Autograph rekonstruiert, sie wird damit erst zum zweiten Mal seit 1906 aufgeführt.

Bildinformation: Michael Sommer und seine Multimediashow / Foto: HBC

In einzelnen Werkstattkonzerten in den vergangenen eineinhalb Jahren hat das Orchester unter der Leitung von Pof. Dr. Klaus W. Weigele und in Zusammenarbeit mit Michael Sommer die drei Teile bereits zur Aufführung gebracht – anlässlich der Jubiläumswoche 40 Jahre Stiftung Landesakademie Ochsenhausen vom 12. bis 21. Juni wird nun das gesamte Werk präsentiert – open Air am 19. Juni ab 21.30 Uhr im Konventgarten. Unter dem Titel „SOMMERsNACHT“ bringt Michael Sommer die Orestie und Andromaque auf bewährte Weise mit Playmobil-Figuren auf die Bühne, dazu erklingen die Schauspielmusiken, gespielt vom Orchester der Hochschule Biberach. Zunächst wurde ein anderes Datum für die Freilicht-Veranstaltung genannt, im Gesamtprogramm findet der Auftritt nun am 19.6. statt.

Aischylos Trilogie „Die Orestie“, 458 v. Chr. entstanden, gilt zu Recht als einer der Grundlagentexte unserer europäischen Kultur. Verhandelt werden Kriminalfälle im griechischen Herrscherhaus der Artriden: Agamemnon, der für den Feldzug gegen Troja seine Tochter Iphigenie der Göttin Artemis opferte, kehrt nach zehn zermürbenden Kriegsjahren als Sieger heim. Doch hier erwartet ihn die blutige Rache seiner Frau Klytaimnestra, die mittlerweile mit Ägisth Macht und Bett teilt. Im zweiten Teil der Trilogie rächen die Kinder Orest und Elektra die Ermordung des Vaters. Mit dem letzten Teil der Orestie „Die Eumeniden“ hat Aischylos einen Gründungsmythos der attischen Demokratie geschrieben: Der Muttermörder Orest steht vor Gericht. Er hat sich vor Menschen und Göttern zu verantworten. Doch nur knapp verfehlt die Abstimmung der Richter eine Patt Situation.

Dabei wirft das Stück Fragen zu Gewalt und Rache auf, die wieder von erschreckend aktueller Relevanz sind: Wie sind Gewaltspiralen zu durchbrechen? Was ist zu tun, wenn Opfer von heute zu Inquisitoren von morgen werden? Wie tragfähig sind Demokratien?

Bei den drei Werkstattkonzerten an der HBC zeigte sich das Publikum begeistert – nun kommen alle drei Teile in einer SOMMERsNACHT zur Aufführung.

Weitere Informationen zu der Jubiläumswoche sind auf der Website der Landesakademie Ochsenhausen zu finden, der Eintritt für alle Veranstaltungen ist frei, Einlass ist jeweils eine Stunde vor Veranstaltungsbeginn.

 

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