Ihre Pläne und Modelle wurden am Ende des Projektes vor Ort präsentiert und gemeinsam mit Bewohnenden, Pflegenden und Planungsverantwortlichen der AWO diskutiert. „Die Debatte über unser Projekt Boomer-Care war angeregt, das Feedback war begeistert - was bleibt ist eine tolle Erfahrung für alle Beteiligten“, erläutert Professorin Julia Siedle, die an der HBC Wohnungsbau, Quartiers- und Bestandsentwicklung lehrt.

Entwurf Pflegeheim Architekur
Die Studierenden präsentieren ihren Entwurf für das Pflegeheim der Zukunft

Doch zurück zum Anfang: Da stand zunächst viel Recherche an für die vier studentischen Teams, berichten Ines Lehmann und Lauryn Schopp sowie Tobias Bischoff und Anna Kriwizki, die inzwischen alle im 8. Semester Architektur studieren und jeweils zwei Teams bildeten. Die Studierenden untersuchten zusammen verschiedene Case Studies, verglichen unterschiedliche Modelle und sammelten gemeinsam Material für einen Wissenspool, der allen Beteiligten zur Verfügung stand. Vor Ort durften Sie mit Bewohner*innen sprechen, das Pflegepersonal begleiten und die Leitung befragen. So ergab sich ein Bild, was sich die Menschen wünschen und welche Anforderungen ein modernes Heim erfüllen muss. Deutlich wurde so zum Beispiel, dass es an Plätzen für betreutes Wohnen fehlt, dass es viele Doppelzimmer gibt, viele dunkle Flure – und lange Wege, die die Pfleger*innen tagein tagaus zurücklegen müssen, berichten Lauryn und Ines. 

Entstanden sind vier ganz unterschiedliche Entwürfe, die die zentralen Anforderungen in den Mittelpunkt stellen: Sanierung, Erweiterung, das Heim als Anlaufstelle für die Menschen im Stadtviertel. So öffnen sowohl Lauryn und Ines als auch Tobias und Anna die Anlage für Menschen aus dem Viertel. Sie schaffen Orte zum Verweilen, Grünflächen und Raum Kinder. Mal als Hort, mal als Kindergarten sollen Jung und Alt in dem Areal zusammenkommen. 

Gleichzeitig zeigen die Entwürfe unterschiedliche planerische Ansätze: „Alte Mauern – Neues Leben“, diesen Titel haben Ines und Lauryn für ihre Arbeit gewählt. Dafür wollen sie das Seniorenheim weitestgehend erhalten, jedoch architektonisch weiterführen, erläutert Ines. Für ihren Entwurf gliedern sie die Anlage in vier Baukörper mit jeweils eigener Funktion. So entstehen Bereiche für stationäres und betreutes Wohnen sowie ein Gesundheitszentrum inklusive Friseur sowie einen Hort, der im ehemaligen Schwimmbad untergebracht werden soll. „Hier haben viele Menschen aus dem Quartier schwimmen gelernt, es war ein Treffpunkt, den wir erhalten wollen, auch wenn das Schwimmbad selbst nicht zu retten ist“. Durch Aufstocken schaffen die beiden Architektur-Studentinnen mehr Platz, die neuen Geschosse in Holzbauweise werden über einen Luftraum miteinander verbunden, so entstehen Sichtbeziehungen und mehr Austausch im Gebäude“, beschreibt Lauryn die architektonische Idee. Durch ein Atrium werden die Räumlichkeiten hell und freundlich. Im zentralen Innenhof gestalten die Studierenden Freiflächen, auf denen u.a. ein Café vorgesehen ist, das zum verbindenden Treffpunkt für alle Bewohner werden und so das soziale Miteinander im Quartier stärkt sollen. 

Tobias und Anna setzen auf Grün und auf „Laubengänge, die verbinden“, so der Titel der Arbeit. Schon bei der ersten Besichtigung des Pflegeheims war ihnen aufgefallen, wie viele Menschen sich auf den bereits bestehenden Laubengängen aufhalten. „Obwohl es schon Herbst war, war dort am meisten Leben“, erinnert sich Tobias. Den Laubengang haben sie beiden Studierenden deshalb zu ihrem zentralen Entwurfselement erhoben und mit weiteren Grünflächen – auf den Dächern und im Innenhof – eine grüne Insel mitten im Quartier geschaffen. Auch sie arbeiten mit Blickbeziehungen und einer klaren Durchwegung, die das Quartier öffnet und mehr Miteinander schafft. „Das Erdgeschoss und die Terrassen bilden das Herzstück und schaffen Begegnungsorte“ so Tobias. Zudem ist ein multifunktionaler Veranstaltungsraum geplant, den die Menschen aus dem Quartier anmieten können – für Geburtstage, Hochzeiten oder andere Feiern. Für die Begrünung der Laubengänge haben sie sich intensiv mit Pflanzenkunde befasst, um Gewächse zu finden, „die das ganze Jahr über grün sind, deren Duft, wenn sie im Sommer blühen, die Sinne stimulieren, aber nicht giftig sind, denn in dem Heim werden auch Demenzkranke betreut“, erläutert Anna.

Entwurf Pflegeheim Studiengang Architekur
Entwurfsvariante Pflegeheim der Zukunft

Die Entwürfe der Studierenden stellen für die AWO „handfeste Ideen für den anstehenden Umbau des Hauses“ dar, so Prof. Julia Siedle. Die Entwürfe werden diesen Monat im Rahmen einer Ausstellung in der ehemaligen AWO Welle Hannover, dem ehemaligen Schwimmbar, gezeigt. So wird es – wie von den Studierenden geplant – noch einmal zum Treffpunkt für die Menschen im Quartier.

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