Wie können Einfamilienhaussiedlungen klimaneutral werden und zugleich dringend benötigter Wohnraum entstehen? Mit dieser Frage beschäftigt sich das Forschungsprojekt „Transformation von Einfamilienhausgebieten (EFH-Trafo)“, das im Februar 2026 mit einem Kick-off an der Hochschule Biberach (HBC) offiziell gestartet ist. Das Verbundprojekt wird über eine Laufzeit von drei Jahren mit rund 980.000 Euro im Rahmen des 8. Energieforschungsprogramms des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie gefördert; die Projektleitung liegt bei der Hochschule Biberach als wissenschaftliche Partnerin in einem starken Konsortium mit weiteren Partner*innen.
Federführend ist Prof. Dr. Katrin Schaber, die in der Fakultät BWL im Bereich Erneuerbare Energien, Strommärkte und Stromnetze sowie Sektorenkopplung lehrt und forscht. Insgesamt sind sechs Professor*innen der HBC am transdisziplinären Projekt beteiligt, die ihre wissenschaftliche Perspektiven aus den Bereichen Architektur und nachhaltige Stadtentwicklung, Soziologie und Transformationsforschung, Analyse der Gebäude- und Energietechnik sowie Immobilienwirtschaft einbringen.
„Die Wärmewende im Bestand gelingt nur, wenn wir Technik, Wirtschaftlichkeit und soziale Fragen zusammendenken“, betont Prof. Schaber. „Mit EFH‑Trafo entwickeln wir deshalb Lösungen, die nicht nur technisch sinnvoll, sondern auch für Eigentümer*innen, und Kommunen praktisch umsetzbar sind.“
Tatsächlich stellen Ein- und Zweifamilienhäuser einen Großteil des Gebäudebestands in Deutschland dar, häufig sind sie energetisch sanierungsbedürftig und unterbelegt, weil nur ein bis zwei Personen darin leben. Gleichzeitig herrscht in Deutschland Wohnungsknappheit. „EFH‑Trafo entwickelt deshalb Transformationspfade, die Wärmewende und Wohnwende gemeinsam betrachten. Im Zentrum stehen die Umstellung von fossilen Heizsystemen auf Wärmepumpen, eine bessere Ausnutzung der Wohnfläche und die Entwicklung geeigneter Umbau- und Nachverdichtungsmodelle in bestehenden Quartieren“, ergänzt Prof. Julia Siedle, die an der HBC Wohnungsbau, Quartiers- und Bestandsentwicklung lehrt und die stellvertretende Projektleitung innehat.
Zudem untersucht das Projekt, wie Stromnetze so gestaltet und gesteuert werden können, dass sie die zusätzliche Last durch Wärmepumpen und Elektrofahrzeuge bewältigen, ohne dass flächendeckend Trafostationen ausgetauscht werden müssen. Das Forschungsteam der Hochschule Biberach entwickelt dazu Strategien, den Strombedarf zeitlich flexibel zu steuern und Lastspitzen zu vermeiden.
Neben der Hochschule Biberach als wissenschaftliches Kompetenzzentrum sind als kommunale Praxispartner die Universitätsstadt Tübingen, die Stadt Göttingen sowie die Energieagentur KLIMA³ der Landkreise Starnberg, Fürstenfeldbruck und Landsberg am Lech beteiligt. Assoziierte Partner sind die ENIANO GmbH mit ihrer Digitalisierungs-Expertise sowie die Agenda‑21‑Modellprojektgruppe „RaumGenug“ aus Grafrath bei München. Gemeinsam mit diesen Partnern identifiziert das Projekt Fokusquartiere, in denen Daten erhoben, Szenarien entwickelt und in Dialogformaten mit Eigentümer*innen und weiteren lokalen Akteur*innen diskutiert werden.
Zum Projektstart kamen alle Beteiligten an der Hochschule Biberach zusammen, um die inhaltlichen Schwerpunkte und die Zusammenarbeit für die nächsten drei Jahre festzulegen. Ein Workshop mit dem Transformationswissenschaftler Prof. Dr. Benjamin Best von der Hochschule Bonn‑Rhein‑Sieg diente dazu, eine gemeinsame transdisziplinäre Arbeitsbasis zu schaffen. In den kommenden Monaten werden die wissenschaftlichen Stellen besetzt, die Netz- und Quartiersanalysen gestartet und erste Beteiligungsformate vorbereitet.
Am Ende des Projekts sollen übertragbare Leitfäden und Best‑Practice‑Modelle vorliegen, die Kommunen deutschlandweit bei der Transformation ihrer Einfamilien- und Reihenhausgebiete unterstützen. Mit EFH‑Trafo entsteht damit ein Modellprojekt, das Klimaschutz, Wohnraumschaffung, Netzstabilität und soziale Fragen im Quartier konsequent zusammenführt – mit der Hochschule Biberach als wissenschaftlichem Motor dieser Entwicklung.