Von der Grundlagenforschung direkt in die Klinik: Mit der kürzlichen Zulassung der ersten CRISPR-basierten Therapie hat die Genomeditierung einen weiteren Meilenstein erreicht. Vor diesem hochaktuellen Hintergrund stand der Neujahrsempfang der Fakultät Biotechnologie an der Hochschule Biberach, der im Januar Wissenschaft, Industrie und Hochschule zusammenbrachte.
Im Mittelpunkt der Veranstaltung stand die Frage, wie sich CRISPR-Cas-Technologien aktuell weiterentwickeln, welche Rolle künstliche Intelligenz dabei spielt und welche Perspektiven sich daraus für Forschung und Medizin ergeben. CRISPR ist eine Methode der modernen Gentechnik, mit der sich das Erbgut von Zellen gezielt verändern lässt – oft beschrieben als eine Art „molekulare Schere“, mit der bestimmte DNA-Abschnitte präzise geschnitten, entfernt oder verändert werden können. Die Technologie gilt als Meilenstein der Biotechnologie, da sie vergleichsweise schnell, präzise und kosteneffizient einsetzbar ist und neue Wege für die Erforschung und Behandlung von Krankheiten eröffnet.
Präzise Werkzeuge für die Medizin von morgen
In zwei Fachvorträgen gaben Prof. Stephen Knox Jones, Professor an der Vilnius Universität Litauen und Head of EMBL Partnership Institute for Genome Editing Technologies sowie Dr. Kim Marquart, HBC-Absolvent und Co-founder Nerai Biosciences, Einblicke in den neuesten Stand der CRISPR-Forschung. Ein zentrales Fazit: Die Technologie ist heute deutlich vielseitiger, präziser und kontrollierbarer als noch vor wenigen Jahren.
Foto: Dr. Kim Marquart, HBC-Absolvent und Co-founder Nerai Biosciences
„Besonders eindrucksvoll war zu sehen, wie gezielt CRISPR-Systeme mittlerweile programmiert und optimiert werden können – etwa durch neue Cas-Varianten oder verbesserte Guide-RNAs“, erläutert Prof. Dr. Kerstin Otte, die den Empfang organisierte. Dr. Kim Marquart zeigte ergänzend, wie KI-gestützte Analysen die CRISPR-Forschung bereits heute unterstützen – insbesondere bei der Vorhersage von Off-Target-Effekten und der Auswahl optimaler Zielsequenzen. Für viele Gäste war es ein Aha-Moment zu sehen, wie nah einige CRISPR-basierte Therapieansätze inzwischen an der klinischen Anwendung sind und dass es sich längst nicht mehr nur um theoretische Konzepte handelt.
Bewusst gewähltes Thema mit Blick auf neue Studienangebote
Dass CRISPR im Zentrum des diesjährigen Neujahrsempfangs stand, war kein Zufall. „Mit der kürzlichen Zulassung der ersten CRISPR-basierten Therapie ist die Genomeditierung endgültig in der Klinik angekommen“, so Julija Liemke, wissenschaftliche Mitarbeiterin an der HBC. „Gerade im Kontext unseres neuen Studiengangs Medizinische Biotechnologie ist das von großer Bedeutung.“
Der Studiengang vermittelt unter anderem Grundlagen der Gen- und Zelltherapie sowie der therapeutischen Genomeditierung. Der Neujahrsempfang bot damit nicht nur einen Einblick in eine hochaktuelle Entwicklung, sondern auch zahlreiche Anknüpfungspunkte für Austausch und Kooperationen mit externen Gästen aus Wissenschaft und Industrie.
CRISPR-Forschung an der Hochschule Biberach
Auch an der Hochschule Biberach selbst wird intensiv mit CRISPR-Technologien geforscht. In der Arbeitsgruppe von Prof. Dr. Kerstin Otte kommen Genome-Editing-Methoden in öffentlich (BMBF) und industriell geförderten Projekten zum Einsatz – unter anderem in Kooperation mit Boehringer Ingelheim, Cytiva und CSL Behring.
Der Fokus liegt auf der gezielten Optimierung von Produktionszelllinien für biopharmazeutische Wirkstoffe, etwa Antikörper für die Tumortherapie oder virale Vektoren für die Gentherapie. „Durch präzise genomische Veränderungen lassen sich Produktionsleistung und Qualität steigern – und gleichzeitig Kosten im Gesundheitssystem senken“, erklärt Otte.
Verantwortung und ethische Einordnung
CRISPR bietet enormes Potenzial für Forschung und Medizin, wirft aber auch wichtige ethische Fragen auf. Besonders die Anwendung an der Keimbahn, mögliche Langzeitfolgen sowie unbeabsichtigte genetische Veränderungen werden kritisch diskutiert. Beide Vorträge haben deutlich gemacht, dass technologische Weiterentwicklung immer mit gesellschaftlicher Verantwortung einhergehen