Die Hochschule Biberach (HBC) ist Pilothochschule für einen klimaneutralen Campus des Landes Baden-Württemberg. Ab Sommersemester 2027 wird das ehrgeizige Sanierungsvorhaben starten, das bei laufendem Betrieb umgesetzt werden soll. Im Mittelpunkt steht die energetische Sanierung des Campus Stadt, ebenso sollen die Gebäude räumlich weiterentwickelt werden und neue Grünflächen entstehen. Fast 40 Millionen Euro investiert das Land Baden-Württemberg im ersten Bauabschnitt für den Campus Zukunft.

Schon in der aktuellen Vorbereitungsphase erarbeiten etwa Masterstudierende aus dem Bau-Projektmanagement einen Vorschlag für die Projektsteuerung der Großbaustelle. Dafür generieren sie einen digitalen Zwilling, in dem alle Daten rund um den Campus und die Sanierung abgelegt werden. Auf der Grundlage dieses Steuerungstools soll die Sanierungsphase der Hochschule koordiniert und überwacht werden. Die Professoren Dr.-Ing. Christof Gipperich und Dr.-Ing. Michael Denzer haben ihrem Semester dafür die Aufgabe gegeben, einen Produktionsleitstand aufzubauen. Einsetzen dürfen die Studierenden eine funktionierende Software, die Gipperich in einem anderen Zusammenhang gemeinsam mit Partnern entwickelt hat. Konkret geht es um das Spinoff Building Information Innovator (BII) mit Sitz in Biberach und Würzburg.

Das Team, darunter einige Absolvent*innen der HBC, hat eine Simulation entwickelt, die Abläufe tatsächlich und in Echtzeit visualisieren kann, ähnlich einer Gaming-Umgebung. Denn, so Gipperich: „Bauprojekte sind komplex, voller Abhängigkeiten und oft schwer überschaubar. Wer den Überblick behalten will, braucht Klarheit über Prozesse und mögliche Szenarien“, so der Professor, der an der HBC Projektmanagement, Infrastrukturprojekte und Building Information Modeling lehrt.

Bis Ende Juni soll ein Prototyp stehen, der nicht nur alle Daten zum Vorhaben, sondern auch alle denkbaren Störszenarien beinhalten soll. „Mit diesem digitalen Zwilling kann sich die HBC in Raum und Zeit durch das Vorhaben bewegen“, erläutert Gipperich. Dabei gehe es nicht nur um technische Daten zur Baustelle, sondern auch um Informationen zum Vorlesungsbetrieb, also zur Belegung von Vorlesungsräumen. Auf den Tag genau soll dort eingetragen werden können, was relevant ist, sodass eine hohe Transparenz entsteht und eine verlässliche Baustellenkoordination möglich ist.

Kontakt

Die Studierenden müssen nun die Software, aber auch das Bauvorhaben „Campus Zukunft“ bis ins Detail durchdringen. Die beiden Projektleiterinnen Edda Plieninger (26) und Pauline Agbowadan (24) sorgen dafür, dass die 15-köpfige Gruppe das ehrgeizige Projekt erfolgreich zum Abschluss bringt. Dafür haben sich die Studierenden – sie haben bereits einen Bachelor in (Bau-)Projektmanagement, Bauingenieurwesen, Architektur oder Wirtschaftsingenieurwesen und kommen aus Deutschland, Argentinien und Vietnam – in drei Teams aufgeteilt: Eine Gruppe sichert ab, dass der Hochschulbetrieb während der Bauphase gewährleistet werden kann, eine zweite befasst sich mit den baulogistischen Fragenstellungen und Gruppe drei ist für die Terminplanung und die Modellarbeit auf Grundlage von dProB zuständig, eben die auf Gaming-Technologie basierende 4D/5D-Bauablauf-Simulationssoftware des Spinoffs BII. Auch machen sie sich schon heute Gedanken, wie eine transparente Kommunikation zwischen Baustellen- und Hochschulbetrieb sichergestellt werden kann, möglich wäre dies zum Beispiel über die bestehende App MyHBC.

Bei einem gemeinsamen Termin gehen sie alle Punkte durch: Wo steht das jeweilige Team, werden die Deadlines eingehalten, gibt es Probleme und wie vor allem: wie lautet die Lösung dafür? Strukturiert und bestens vorbereitet gehen die Projektleiterinnen das Dokument Punkt für Punkt durch, geben aktuelle Informationen, haken nach und stellen sicher, dass alle im Zeitplan sind und wissen, welche Schritte als nächstes wichtig sind.

Gruppenfoto mit Studierenden vor einer Betonwand
Gruppenfoto mit Studierenden vor einer Betonwand

Die nächste Zwischenpräsentation findet in der dritten Mai-Woche statt; dann stellen die Studierenden ihre bisherigen Ergebnisse vor. Bis dahin soll die Umgebung für den digitalen Zwillingen stehen, für dessen Basis eine Punktwolke herangezogen werden soll.  An diesem Abend wird auch das Thema Staubschutzwände ausführlich besprochen. „Aus Effizienzgründen ist vorgesehen, dass alle Möbel während der Sanierungsarbeiten in den Räumen verbleiben. Dadurch entfällt das Aus- und Einräumen der Einrichtung“, erklärt Edda Plieninger im Gespräch, „zugleich steigt jedoch der Arbeitsaufwand für das Auf- und Abbauen der notwendigen Schutzwände deutlich an“. Ihre Kommilitonin Pauline Agbowadan beschreibt die Dimension: „Bei einer Anzahl von 160 Räumen ist diese Mehrarbeit nicht zu unterschätzen und muss bei der weiteren Terminplanung berücksichtigt werden“.

Auch der Materialstrom wird diskutiert. Die Studierenden überlegen, ob dies besser pro Raum oder pro Etage abgebildet werden wird. Dazu soll das Arbeitspaket als Schnittstelle zwischen der Baulogistik und dem Terminplan zunächst weiter konkretisiert und beim nächsten Mal erneut vorgestellt werden. Die ToDos Massenermittlung und Raumbuch dagegen sind fertig – Haken dran!

Und wie kommt das Realprojekt bei dem Semester an? „Es ist komplex, aber wird greifbar“, sagt Ricarda Bühr, eine Architektin. Viele Bereiche der Hochschule würden sie durch die Aufgabenstellung besser kennenlernen, ergänzt Lea Gerlach. Und dass sie über das Reallabor einen Beitrag leisten dürfen, damit der Campus der Bauhochschule Biberach deutlich attraktiver wird, freut die gesamte Gruppe.

Die Projektleitung: Edda Plieninger und Pauline Agbowadan.

Master Projektmansgement (Bau)
Teamsitzung Master Projektmanagement Campusentwicklung