Auf Initiative der Hochschulen Coburg und Biberach haben sich Vertreterinnen und Vertreter von Hochschulen, Verbänden, Planungsbüros, Softwarehäusern und der Normungsarbeit zu einem interdisziplinären Workshop getroffen. Ziel war es, die zahlreichen Normen und Richtlinien in der Technischen Gebäudeausrüstung (TGA) verständlicher, schlanker und anwenderfreundlicher zu gestalten.
Angesichts der wachsenden Zahl technischer Regelwerke haben Prof. Dr. Michael Schaub (Hochschule Coburg) und Prof. Dr. Alexander Floß (Hochschule Biberach) den Workshop initiiert.
„Allein im Bereich Heizungs-, Klima- und Raumlufttechnik existieren mehrere Hundert Normen und Richtlinien. Gleichzeitig nehmen inhaltliche Überschneidungen, unterschiedliche Berechnungsansätze und teilweise widersprüchliche Anforderungen zu“, sagt Floß, der an der Hochschule Biberach Konstruktion und Anlagetechnik sowie Heiz- und Sanitärtechnik lehrt. In der Praxis führen die zahllosen Normen und Regelwerke zu höherem Aufwand, Unsicherheiten sowie zusätzlichen Kosten für Planer, Handwerk, Betreiber und Hersteller. Ein Schwerpunkt der Diskussion lag deshalb auf den Verfahren zur Berechnung von Heizlast, Kühllast und Energiebedarf von Gebäuden. Schaub erläuterte dies im Detail. Er ist Professor für energieeffiziente Gebäudetechnik an der Hochschule Coburg und erklärt: „Obwohl die Verfahren auf ähnlichen physikalischen Grundlagen beruhen, verwenden sie unterschiedliche Randbedingungen und Methoden.“
Prof. Dr.-Ing. Alexander Floß
Die Teilnehmenden sahen deshalb Potenzial darin, Berechnungsverfahren stärker zu vereinheitlichen und redundante Regelungen abzubauen. Langfristig könnte ein gemeinsames Berechnungsmodell die Grundlage für verschiedene Anwendungen bilden und die Vergleichbarkeit von Softwarelösungen verbessern, so Schaub und Floß.
Gleichzeitig betonten die Fachleute die große Bedeutung von Normen für Qualität, Rechtssicherheit, Verbraucherschutz und Innovation. Ziel sei daher nicht die Abschaffung von Regelwerken, sondern deren bessere Strukturierung. Vorgeschlagen wurden beispielsweise eine verständlichere Darstellung, die Konzentration auf wesentliche Inhalte, die Reduzierung von Doppelregelungen sowie eine stärkere Orientierung an den Bedürfnissen unterschiedlicher Nutzergruppen.
Die Vereinfachung von Normen betonten die Teilnehmenden als einen wichtigen Beitrag zum Bürokratieabbau und zur Bewältigung des Fachkräftemangels. „Das Treffen wurde als Auftakt für einen längerfristigen Prozess verstanden, der die Nachvollziehbarkeit technischer Anforderungen verbessern, Planungsaufwand reduzieren und die Umsetzung der Energie- und Wärmewende unterstützen soll“, so Schaub. Er hat selbst an der HBC Gebäudeklimatik studiert (inzwischen Bachelor Energie-Ingenieurwesen bzw. Master Energie- und Gebäudesysteme) und forscht und lehrt inzwischen an der Hochschule Coburg rund um den Bachelor-Studiengang „Bauingenieurwesen – Energieeffizientes Gebäudedesign an der Fakultät Design + Bauen.
Die Vorschläge ließen sich auch gut in die Lehre integrieren, erklärten die beiden Experten. Floß sagte: „Wenn unsere Anregungen aufgegriffen werden, können zukünftige Ingenieurinnen und Ingenieure mit Berechnungsverfahren arbeiten, die sowohl normkonform als auch didaktisch und methodisch entschlackt sind.“