Wenn die Naturwissenschaftlerin Sandra Behmüller ihr Wissen weitergeben kann, ist sie in ihrem Element. Spannende Experimente passend für jede Altersstufe entwickeln, die Kinder und Jugendlichen einweisen und dann: machen lassen! Die Akademische Mitarbeiterin der Fakultät Biotechnologie an der Hochschule Biberach (HBC) ist begeisterte Mentorin für alle, die neugierig sind und ihre Umwelt entdecken und erforschen wollen. In verschiedenen Kursen und Formaten gibt sie ihr Wissen weiter – u.a. betreut sie Studierende in den Praktika für Mikrobiologie, Gentechnik und Molekularbiologie in den Studiengängen pharmazeutische und medizinische Biotechnologie, inklusive Vor- und Nachbereitung.
Als Kind schon teilte sie dieses Interesse an der Naturwissenschaft; damals jedoch gab es kaum Angebote für Schüler*innen – „leider“, sagt sie mit Bedauern und sieht darin ihre Motivation für das, was sie neben ihrer Tätigkeit in der Lehre übernimmt. Sandra Behmüller ist innerhalb der HBC-Kinderuni und Forscherakademie MACH MI(N)T! engagiert. Seit dem vergangenen Jahr unterstützt sie zudem Prof. Dr. Jens Winter (Wirtschaftsmathematiker in der Fakultät BWL) im Projekt BiberTECH, einer Initiative von Hochschule und Unternehmen, die gemeinsam das Interesse von Kindern und Jugendlichen für den MINT-Bereich wecken wollen
Sandra Behmüller ist von den Facetten der Naturwissenschaft und den Möglichkeiten, jungen Menschen mit einfachen und anspruchsvolleren Experimenten die Natur näher zu bringen, begeistert. Dabei verbindet sie Neugier und Methode und macht die Erfahrung, dass Versuche, die die Schüler*innen selbst betreffen, am meisten Anziehungskraft haben. Ein Beispiel: Bei dem Versuch „Eule oder Lerche? isolieren die Kinder ihre eigene DNA und untersuchen, ob sie genetisch eher ein Frühaufsteher (Lerche) oder Spätaufsteher (Eule) sind. Wie das funktioniert? Auf Chromosom 1 der menschlichen DNA gibt es ein Gen, der die „innere Uhr“ steuert, so Behmüller. In diesem Gen gibt es einen kleinen Abschnitt, der sich mehrmals hintereinander wiederholt – manche Menschen haben dort vier Wiederholungen, andere fünf. Diese Zahl der Wiederholungen beeinflusst, wie schnell bestimmte Uhr‑Eiweiße im Körper auf- und abgebaut werden und damit, ob der Tagesrhythmus eher nach vorn oder nach hinten verschoben ist.
Älteren Schüler*innen zeigt Sandra Behmüller gerne, wie man den grünen Blattfarbstoff Chlorophyll aus Spinat trennen kann, wie ein Vaterschaftstest funktioniert oder wie unsere Gene das Risiko einer Opioid-Abhängigkeit beeinflusst. „Die Begeisterung für Naturwissenschaft kann man nur weitergeben, wenn man selbst begeistert ist und Spaß daran hat!“
Bei ihrer Arbeit im Projekt BiberTECH geht es darum, unterschiedliche Laborexperimente für unterschiedliche Settings zu kreieren – passend für verschiedene Klassenstufen und deren Lehrpläne, Räumlichkeiten und Zeitfenster. Mit diesem mobilen Labor gehen Sandra Behmüller und ihre Kolleg*innen – es gibt auch Projekte im Bereich Bau- und Energie-Ingenieurwesen – in die Schulen. „Das Lehrerkollegium muss uns nur einladen, den Rest übernehmen wir“, erläutert die Naturwissenschaftlerin und weiß: „Das ist eine wertvolle Entlastung für die Schulen“.
Die größte Belohnung für dieses außerordentliche Engagement: „Wenn die Bakterien leuchten, leuchten auch die Augen der Kinder“. Und wenn sie dann sagen: „Eigentlich mag ich nicht forschen, aber das hat mir richtig Spaß gemacht!“, dann ist Sandra Behmüller zufrieden mit sich und ihrem Experiment. Zurecht, denn allein innerhalb des Projekts BiberTECH hat sie seit September mit ihrem Kollegen Lukas Exner-Braun, einem Master-Student der HBC, fast 500 Schüler*innen betreut. Ein toller Erfolg, der weiter ausgebaut werden soll.
Zahlreiche Studien belegen: eigenes Ausprobieren und eine begeisterte Anleitung sind wesentliche Einflussfaktoren für die Interessen und den weiteren Weg von jungen Menschen!
„Die Begeisterung von Sandra Behmüller schwappt auf die Schüler*innen über und so entzündet sich dort immer wieder ein Begeisterungsfunke“, freut sich Jens Winter. Denn zahlreiche Studien belegen: eigenes Ausprobieren und eine begeisterte Anleitung sind wesentliche Einflussfaktoren für die Interessen und den weiteren Weg von jungen Menschen, erläutert der Professor für Wirtschaftsmathematik und Quantitative Methoden, der sich schon seit Jahren an der Schnittstelle von Schule und Hochschule engagiert und Mitglied der Akademie für Ausgezeichnete Hochschullehre ist.
Auch Sandra Behmüller ist Engagement wichtig. „Wenn jeder etwas beiträgt, geht es unserer Gesellschaft besser“, ist sie überzeugt. Das hat sie als Trainerin im Sport erlebt, bei Kursen für Kinder ebenso wie für Erwachsene. Nach ihrem Studium der Bio- und Prozesstechnik an der Hochschule Furtwangen und später berufsbegleitend an der Hochschule Biberach im Master-Studiengang Biopharmazeutisch-Medizintechnische Wissenschaften kann sie nun Beruf und Engagement verbinden. Für Sandra Behmüller die perfekte Mischung.
BiberTECH schafft ein kontinuierliches MINT-Angebot für junge Menschen. Kinder und Jugendliche sollen MINT-Themen spielerisch, kreativ und selbstentdeckend unter Anleitung erkunden. Hierbei bringen sich verschiedene Unternehmen aus Biberach und die Hochschule gemeinsam ein und kooperieren systematisch mit Schulen aus Biberach. So finden AG-Angebote an der Birkendorf-Grundschule, der Dollinger-Realschule, der Mali-Gemeinschaftsschule, sowie dem Wieland- und Pestalozzi-Gymnasium statt.
MACH MI(N)T! ist eine Initiative von Hochschule Biberach, Stadtteilhaus Gaisental e. V. / Mehrgenerationenhaus Biberach (MGH), sowie Jugend Aktiv e. V. Mädchen und Jungen aus Biberach und Umgebung im Alter von 6 bis 17 Jahren finden jeweils von September bis November bei der Kinder UNI (6–12 Jahre) oder der Forscher AKADEMIE (13–17 Jahre) spannende Experimente und vielfältige Aktionen. Auch hier werden die Teilnehmenden von Expert*innen angeleitet, um MINT erlebbar zu machen.