Der Biberacher Gemeinderat hat in seiner Sitzung am 15. Dezember 2025 nicht-öffentlich beschlossen, die Planung des Projekts Transferzentrum Industrielle Bioökonomie (TIB) zu stoppen und vorläufig nicht weiterzuverfolgen. Dass dies vermutlich den Verlust der EFRE- und Landesförderung zur Folge hat, wird dabei in Kauf genommen. Dieser Beschluss wurde in der jüngsten Gemeinderatssitzung öffentlich bekanntgegeben.
Hintergrund sind veränderte Anforderungen an ein Scale-up-Labor, das ursprünglich als Herzstück des TIB geplant war. Es hat sich im Laufe der intensiven Planungsprozesse mit Experten aus verschiedensten Bereichen (Laborplaner, Bauherren vergleichbarer Transferzentren, Industrie und Forschung) gezeigt, dass ein Scale-up-Labor in kleinerem Maßstab möglich ist. Im Planungsprozess hat sich auch gezeigt, dass die ursprüngliche Idee, biopharmazeutische Anwendungen im TIB unterzubringen, nicht darstellbar ist, weder räumlich, personell noch wirtschaftlich.
Die nun geplanten, verkleinerten Maßstäbe eröffnen Optionen, mittelfristig ein solches Labor auch in den bestehenden Räumlichkeiten des Innovations- und Technologie Transferzentrum (ITZ Plus) zu etablieren. „Die Bioökonomie bleibt ein Zukunftsfeld und wir haben den Willen, dieses zu etablieren, aber ohne einen kostspieligen Neubau“, sagt Erster Bürgermeister Ralf Miller, Stadt Biberach.
„Wir freuen uns, dass wir uns als Transferhochschule in der bewährten Partnerschaft in die Region einbringen können."
„Natürlich ist der Planungsstopp für das TIB auf den ersten Blick schmerzlich, besonders angesichts der bereits zugesagten Fördermittel. Die Entscheidung des Gemeinderats zeugt jedoch von großem Verantwortungsbewusstsein und Realismus und die Innovationen bleiben der Region in anderer Umgebung erhalten, darauf kommt es letztendlich an“, betont Landrat Mario Glaser.
„Wir freuen uns, dass wir uns als Transferhochschule in der bewährten Partnerschaft in die Region einbringen können. Die Bioökonomie bleibt Teil unserer interdisziplinären Forschung, in der wir unter anderem bundesweit mit Beispielregionen vernetzt sind. Hier lassen sich über die bereits etablierten Bereiche der Biotechnologie sowie der Energie- und Gebäudetechnik hinaus viele sinnvolle Bezüge zum ITZ Plus herstellen“ erklärt Prof. Dr.-Ing. Matthias Bahr, Rektor der Hochschule Biberach.
„Unser Anliegen war immer, ein für die Wirtschaft passendes Unterstützungsangebot für Innovation und Wissenstransfer in der industriellen Bioökonomie mit aufzubauen. Dabei müssen natürlich sich ändernde Anforderungen Berücksichtigung finden“, ergänzt Petra Engstler-Karrasch, Hauptgeschäftsführerin der IHK Ulm.
Er habe bereits Kontakt mit dem Ministerium für Ernährung, Ländlichen Raum und Verbraucherschutz aufgenommen, um über die aktuelle Entwicklung und die Einbeziehung des ITZ Plus zu informieren, so EBM Miller. Schon bei der Übergabe des Förderbescheids wurde von allen Beteiligten verdeutlicht, dass das TIB bzw. dort anzusiedelnde Aufgaben die konsequente Weiterführung des ITZ Plus darstellt. Und es gelte nach wie vor, was Minister Peter Hauk bei der Übergabe des Förderbescheides zum Ausdruck gebracht hat: Die Industrielle Bioökonomie ist ein wichtiger Schlüsselbereich für eine nachhaltige Kreislaufwirtschaft.
Text: Pressestelle der Stadt Biberach
Hintergrundinformation:
In Zusammenarbeit von Hochschule, Landkreis, Stadt, IHK und ITZ Plus entstand die Idee, das benachbarte ITZ Plus durch ein Folgeprojekt zu erweitern. Das TIB sollte das Zentrum für nachhaltige Bioökonomie werden, um Forschungsergebnisse in diesem Bereich schneller in industrielle Anwendungen zu überführen und den Wandel von Erdölbasierter zu regenerativer Kreislaufwirtschaft voranzutreiben. Leitgedanke ist der schonende Umgang mit Ressourcen in Verbindung mit innovativen Technologien.