Nicht zuletzt seit Martha Nußbaums engagiertem Plädoyer für einen im Sinne der Gegenwart revidierten Kosmopolitismus ist die Aktualität dieser antiken Geisteshaltung wieder im Gespräch. Die amerikanische Philosophin hat 2020 mit ihrem Buch „Kosmopolitismus. Revision eines Ideals“ eine Sammlung von Essays über die Ideale verschiedener Denker zusammengestellt und so eine zeitgemäße Debatte ausgelöst. Hier schließt die Hochschule Biberach (HBC) in diesem Jahr mit ihrer Ringvorlesung an. Gastprofessor Dr. Harald Schwaetzer hat die Reihe „Kosmopolitismus“ initiiert und vorbereitet sowie eine Verbindung zur Wieland-Stiftung und deren Geschäftsführerin Dr. Kerstin Bönsch hergestellt.

Denn, so der Gastprofessor für Philosophie, es werde zumeist übersehen, dass es gerade Wielands Zeit, und vor allem auch Wieland selbst ist, der die Idee des Kosmopolitismus verständig von der Antike aufnimmt und adäquat in eine Gegenwart führt. „Die Vorlesungsreihe möchte diese Linie kosmopolitischen Denkens mit unserer Gegenwart ins Gespräch bringen“, so Schwaetzer.

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Dazu verfolgt sie zwei Linien an zwei Veranstaltungstagen, konkret an den Samstagen 23. und 30. Oktober. Zunächst wird, mit stetem Blick auf Wieland, ihr Entstehen in der Antike dargestellt; es folgt eine Auseinandersetzung mit Wielands Fassung dieses Begriffs, verbunden mit einer Reflexion zur Aktualisierung. Aus ihr wird das Potential für die Gegenwart sichtbar. Am zweiten Veranstaltungstag werfen die Referenten einen genaueren Blick auf die Zeit Wielands und die Anregungen, die aus der damaligen Fassung von „Kosmopolitismus“ folgen. Dabei stehen Herder, Schiller und Goethe jeweils im Zentrum eines Vortrags.

Für die Vorträge hat Harald Schwaetzer namhafte Referenten der Universitäten Hildesheim und Oldenburg nach Biberach eingeladen; zudem bringen die Biberacher André Bleicher, Harald Schwaetzer und Kerstin Bönsch jeweils ihre Perspektive auf die Thematik ein. Dabei freuen sich die Veranstalter insbesondere darüber, dass die Vorträge öffentlich und in Präsenz stattfinden können – alle Interessierten sind herzlich eingeladen.

Veranstaltungsort ist das Audimax der Hochschule Biberach. Für alle Vorträge gelten die 3G-Regeln. Alle Teilnehmenden müssen entweder geimpft, genesen oder gestestet sein. Eine Anmeldung ist nicht notwendig.

Das Programm im Überblick:

23. Oktober:

  • 15 Uhr: „Der Gedanke der Kosmopolitie in der Antike und sein Fortwirken bei Wieland“, Wolfgang Christian Schneider, Institut für Philosophie, Universität Hildesheim
  • 17 Uhr: „Wieland weiterdenken: Wie frei und gleich sind wir?“, Kerstin Bönsch, Wieland-Stiftung Biberach
  • 20 Uhr: „Welcher Kosmopolitismus?“, André Bleicher, Hochschule Biberach,

30. Oktober:

  • 15 Uhr: „Kosmopolitismus ist auch ein Standpunkt. Herder im kritischen Diskurs mit Rousseau und Wieland“, Tilman Borsche, Institut für Philosophie, Universität Hildesheim
  • 17 Uhr: „Der geteilte Himmel des Geschmacks. Schillers ästhetische Kritik der Moderne“, Peter Neumann, Institut für Philosophie, Universität Oldenburg
  • 20 Uhr: „Goethe: „Ein Werdender wird immer dankbar sein“. Mensch, Zeit, Entwicklung – Metamorphosen des Kosmopolitismus bei Goethe“, Harald Schwaetzer, Hochschule Biberach